Es ist einfach arg. Ultraarg. Wenn ich mir diese Bilder ansehe und dann jetzt, wo ich diese Zeilen tippe aus dem Fenster sehe, könnte der Unterschied wohl nicht größer sein. Klimatische Galaxien sozusagen. Man könnte meinen, da liegen Wochen dazwischen. Dem ist nicht so. 3 ganze Tage. Fette Flocken haut es seit Stunden vom Himmel und meine Karre ist nur mehr durch die Form erkennbar. Jaja. So eine Dachbox hat wirklich nur Vorteile. Am Samstag sah alles noch ganz anders aus. OK, wir hatten mit einer Aussentemperatur von gerade mal +2°C auch nicht gerade Badewetter, aber es war dank Windstille und Sonnenschein ein herrlicher und vor allem erträglicher Tag, was dazu führte, daß der Hörstman und ich noch mal angegriffen haben. Daheim hinterm Ofen kannst du keine Fische fangen. Was kostet die Welt...
Kurz vor Mittag gabs den ersten nennenswerten Kontakt an der PVA gestickten 14er Blood-Murmel, denn der kleine blaue Solarknilch an der Leine begann, gepaart mit passenden rythmischen Piepern aus der Funkbox rauf - u. runterzutanzen. Na, des gibts ned. Nicht schon wieder ein Giebel. Eine Zeit lang betrachten der Hörst und ich gespannt dieses Schauspiel und hoffen auf den ersehnten Run. Doch der erfolgt nicht. Fuck. Ich beende den Zirkus und nehme die Rute von den Sticks. Ein dezenter Kontakthersteller erfolgt, am anderen Ende der Leine ein kurzer Widerstand und dann die Erkenntnis. Da hängt Einer. Kurze Kopfstöße, die aber eher belächelnd vom 2,75er Stock entgegengenommen werden und einen kleinen Gelben oder äusserst feinen Giebel vermuten lassen. Doch dann bricht der silberblaue Körper eines Riesendeckels durch die Wasseroberfläche. YES. Absoluter Rekordbrachsen aus SB. Was bin ich doch hier gesessen und hab gezielt versucht, den Mythos Monsterbream wahr werden zu lassen.Es gibt sie doch, die Kapitalen ...
Nachdem der König der Weissfische wieder in die Fluten entlassen war, konnte der Ansitz frohen Mutes fortgesetzt werden. Ausser ein paar äußerst minimalistischen Hanger-Rucklern war aber leider nichts mehr abzustauben. Und wenn ich jetzt so aus dem Fenster raussehe, scheint es tatsächlich so zu sein, daß ich untraditionell nicht in den Winter geblankt habe. Noch dazu mit einem geilen Fisch die Saison abgeschlossen. Ja was solls. Das wirds wohl gewesen sein. Montags ging es daraufhin nicht unbedingt schlecht gelaunt ins Büro, der Tag schritt ohne nennenswerte Problem voran und langsam aber sicher machte sich die Vorfreude auf die kommende EXPO breit. 16:22. Aus nach wie vor ungeklärten Gründen schaffe ich es, während ich ein krytisches Script am Bildschirm studiere, mir selbst mit einem chinesischen Ess-Stäbchen komplett den Zahn auszuschlagen. Nana, nicht irgendeinen. Vorne unten. Wie gestört muss man sein und wieviel Pech muss man haben, daß einem sowas passiert? Jegliches Nachdenken sinnlos. Das ist höhere Gewalt. Mit Sicherheit ein chinesischer Fluch, weil ich schon lang nicht mehr beim früher häufig besuchten Asiaten vor Ort war. OIDAAAA. Wos moch i jetzt? I schau aus wie da Huckleberry Finn, wie die letzte Ratte auf diesem Planeten und bestelle die Packung Zigaretten in der Trafik wie der Elefantenmensch oder ein Zungenamputierter, um die Mund nicht weit aufmachen zu müssen. Bist du deppat! Die mentale Hölle. Abgesehen davon, ansatzlos Hohn und Spott von meinem Freundeskreis zu ernten, ist in 3 Tagen die Expo. Muahhaha. Wödklasse Zeitpunkt. Ich mags mir gar nicht ausmalen. Also musste eine Lösung her. Ansatzlos wurde bei meiner Dentistin angerufen und angekündigt, daß ich morgen komme. Nein, mich stört es nicht, daß kein Termin frei ist. Ich komme. Und wirklich wahr, hat es dann nach fast 2,5 Stunden der Pain und des Blutvergiessens geklappt, mir einen neuen Beisser einzubauen. Biomechanische Utopie. YES. Back on track! Jetzt kann die Messe kommen ... lasset die Spiele beginnen.tight lines
Sludge



Wir schreiben Samstag, den 31.Oktober 2010. Halloween. Um diesem "monströsen" und mehr oder weniger besonderem Datum gerecht zu werden, stand heute was ganz Abgefahrenes am Programm. Gefährlich. Mystisch. Grenzwertig. Nur die Härtesten der Harten würden überhaupt in Erwägung ziehen, über Ähnliches auch nur nachzudenken. Zweieinhalb Meter lange Welse, Karpfen mit über 40kg und Hechte, die bei schummrigen Licht als Alligatoren durchgehen. Phaa. Auf die kann Jeder fischen und hoffen. Wo sind da noch die adrenalingeschwängerten Minuten, wenn du in den Rachen einer wahren Bestie blickst und wo du dich in den dunklen Tiefen des Monsterauges verlieren zu scheinst? Wo ist da diese "Randerfahrung" bei einer Jagd, wo du vermutlich selbst zum Gejagten wirst? Wo ist das Spiel mit dem Leben? Wo? 
Ja, ich weiß. Es ist nicht jedermanns Sache, mit Gevatter Tod Karten zu spielen und man im Vorhinein weiß, daß der Sensenmann unzählige Workshops bei einem gewissen Cincinnati Kid absolviert hat. Doch wer nichts riskiert, der nichts verliert und somit wurde beschlossen, sich diesmal mit einem Gegner anzulegen, der schon etwas mehr an Mumm forderte, wie die besagten klassischen Beutefisch-Spezies. Genau; vor diesem Kontrahenten konnte man sich wirklich fürchten und man wird wohl keinen Angler in unserem Donauraum finden, dem es nicht das blanke Grauen ins Gesicht schnitzt, wenn hinter vorgehaltener Hand der angsteinflössende Name dieses Monsters ausgesprochen wird. The Pestilence aka Blackmouth Goby - Schwarzmaulgrundel! Bist du deppat ... ich bin wahrlich einer der letzten Helden auf diesem Planeten. Halloween. Monster, Ungeheuer und Dämonen. Dass ich nicht lache. Selbst der Jason Voorhees, der Michael Myers und der traumtänzerische Krüger Fredl mutieren im Vergleich zur Höllengrundel zu Faserschmeichlern.

Und sind wir uns ehrlich ... wenn wir so ganz tief in unser Inneres blicken, dort in der Psyche herumwühlen um schlussendlich die nicht von der Hand zu weisenden Gefahren abwägen, kommen wir zu dem Punkt, der sich Entscheidung schimpft. So. Wer ist wirklich so verwegen, daß er sich am Halloween-Tag, bei gefühlten 10 Grad unter Null und Orkanstürmen an die Rinne setzt? Hmmm. Da wird die Luft vermutlich schon dünner. Und wer von den übergebliebenen Narren besitzt dann hier den Mut oder besser gesagt die ultimative Härte, in so einer Situation noch mit dem Feederstock anzutreten? Naaa? Da waren wir nur mehr bei einer Handvoll Psychopathen angelangt. Doch selbst unter Jenen trennt sich hier noch mal die Spreu vom Weizen. Die Gurgelbeisser von den Ballett-Tänzern sozusagen. Denn nur die Allerwenigsten besitzen dann tatsächlich noch diesen Wahnsinn mit dem Herz eines Löwen und wagen somit, eine Grenze zu überschreiten vor der berechtige Horrorszenarien so manchen harten Angler in die Flucht treiben ließ. Eisern, wagemutig, abenteuerlustig und das ewige Spiel mit dem Feuer.
Nachdem ich der ersten Bestie ohne Verlust einiger Gliedmaßen das Madenbündel aus dem dunklen Höllenschlund entfernt hatte, war klar, daß ich mich auf dem richtigen Weg befand. Ja, der Horst und der Cpt. Kört haben schön geschaut mit welcher Gelassenheit ich das Höllentier gehändelt habe. Wie wenn es das Ungefährlichste und Alltäglichste auf diesem Planeten wäre.




Nach einigen hochkonzentrierten Stunden der Grundeljagd und den andauernden Brachialdrills mit dem nächsten Monster-Vertreter der Blackmouth´s, war ich körperlich und mental am Ende und habe das Anködern von Maden an der Montage des Feederstocks nicht mehr praktiziert. Auf die Dauer einfach zu gefährlich. Zu belastend. Ich war ganz einfach ausgelaugt. Nichts desto Trotz war ich sehr stolz auf mich, den inneren Schweinehund überwunden und der Gefahr ins Auge geblickt zu haben. Noch dazu konnte ich einige kapitale Vertreter der Höllenboten in einer einzigen Session überwältigen, was meinen draufgängerischen Codex und mein Silberrückenfeeling nur bestärkte. Jawohl. Halloween Hardcore Hunting! Nur die Besten überleben...