Sonntag, September 07, 2014

Die neue Ära und die Nusskipferln!

So. Das ist sie nun, die neue Ära. Jetzt bin ich 42, bin verheiratet, habe meine ersten Unterrichtsstunden hinter mir und alles ist eigentlich noch lässiger abgelaufen, als ich es ohnehin erwartet habe. Gerade am Anfang vom Schuljahr und meine pädagogische Ausbildung neben her, geht´s eigentlich ziemlich rund und ich bin mit einem Haufen Schreibarbeiten, notwendiger Stubenhockerei und Vorbereitungen an meinen Schreibtisch genagelt. Die meiste Zeit im Moment jedenfalls. Da muss die Fischerei hinten angestellt werden, womit die ausufernden Nachtsessions ohnehin ausgeschlossen werden müssen. Egal. Am Schotterloch naht ohnehin erst ab Mitte Oktober die nächste Monsterzeit, hehe. Was im Moment bleibt, sind Tagesansitze, Stalkerei und Snagknüppler. Da ist die Buschlacke das richtige Gewässer. Und wenn es die karge Freizeit zulässt, dann klebe ich schon wieder hinterm Steuer, Richtung Iri-Waters. Als ich gerade in den schmalen Weg einbiege, erspähe ich im Augenwinkel das leere Papiersackerl vom Bäcker ( für meine germanischen Kollegen Sackerl = Tüte ) auf dem Boden vorm Beifahrersitz und werde unweigerlich ins geistige Labyrinth meines normalsterblichen Daseins gezogen. Nein, nur nicht dran denken, bevor ich mich mit der Karre um den nächsten Baum wickle. Nur nicht dran denken...Am schlammigen Ufer angekommen, verliere ich keinen weiteren Gedanken an teuflisches Backwerk und mache, was ich vom Sensai seinerzeit gelernt habe. Ich fische einfach. Dicht vor die Rosen, brutale Bremseinstellung und grobmotorisches Equipment. Strömender Regen, brutaler Krautwuchs, Nacktschnecken und gerade der erste Hub mit darausfolgendem Fangerfolg lassen mich nicht in die Gefahr des belanglosen Denkens schlittern. Aber wie meine Blicke durchs nasse Grün wandern und sich plötzlich die beschissene, schleimige Ausgeburt eine Killernacktschnecke um die Äste windet, habe ich keine Chance mehr. Alter, die sieht doch original wie ein Kipferl aus. Nusskipferl. NAAAA! Ich wollte doch nicht in die Falle gehen. Jaja, die werden mir noch einige hässliche Erlebnisse bescheren, wenn ich plötzlich nachts aufrecht und schweißgebadet im Bett sitze. Kipferltrauma. What else...   Und schon hat es mich. Der Regen prasselt auf meinen Schirm, die Pieper sind stumm und die Weichenstellung meiner Synapsen kennt nur einen Weg ins Gedächtnis. Dort, wo der wahre Horror wohnt. Zu den Nusskipferln. Tjo. Fast täglich bin ich eine zeitlang morgens, bevor es ans Tagwerk ging, beim Bäcker eingekehrt und habe mir meinen Trinkkakao und ein Pariser Kipferl geholt. Und jedes Mal, egal um welche Uhrzeit ich auch gekommen bin, wurde ich mit einer bestimmen humanoiden Randerscheinung konfrontiert, die mich schlussendlich soweit gebracht hat, dass ich einfach auf mein Frühstücksmenü verzichtet habe, um ja nicht Gefahr zu laufen, dieser geistbefreiten, lebenden Willenlosigkeit zu begegnen. Nein nein, nicht wie man evtl. vermutet,der Bäcker oder die Verkäuferin. Ein Kunde. Mitte 30, Lockiges halblanges Haar, Vollbärtchen, Hornbrille, Vintage-Sakko, eine zu kurze Hose, Laptoptasche und Tretroller. Für diese Kombi alleine würde ihm in der echten Welt eine Tracht Prügel gebühren. Aber bitte. Ich arbeite ja inmitten Hipster/Bobo-Hybriden Viertel und bin das daher gewohnt. Schreckt mich also normalerweise nicht mehr. Normalerweise...Aber es hat Zeiten gegeben, wo ich bereits beim Anblick meines Probanden in der UBahn-Unterführung am liebsten zu laufen begonnen hätte, was ich auf den Rolltreppen dann auch getan habe. Angst. Pure Angst. Nicht vor seiner möglichen Geisteskrankheit oder seinem imposanten, diabolischen Erscheinen. Nein, nur die nackte Angst, dass die Ratte vor mir im Bäcker steht und ich eigentlich die ganze Offenbahrung des Johannes lesen könnte, bis ich an die Reihe kam, weil sich Kollege Rollerdillo nicht entscheiden kann, was er sich wohl in die Kiemen wirft, während er auf oberschlau die Börsenkurse studiert. Ok, das solls geben. Entscheidungsdefizit eben. Aber das Beste kommt erst. JEDEN beschissenen Tag, wo er sich gefühlte Wochen die Birne zermartert hat, was es wohl heute werden würde, kam schlussendlich immer eins: Zwei NusskipferlN bitte! Herst Dillo, das heisst KipferL ned KipferlN, denk ich, beiss mir auf die Lippen und harre den zeitlupengleichen Bewegungen der Verkäuferin. Ich bin bei Gott kein Linguistiker, aber diese präpotente Extrabetonung macht mich innerlich zur Bestie. Den mag ich nicht. Das ist gewiss. Vor allem, wenn die ganze Misere der Bezahlung auch noch valiumgeschwängert über die Bühne geht, weil Mister Pappnase erst anfängt nach den Münzen zu suchen, nachdem er seine beiden Nusskipferl säuberlich in die Laptoptasche geschlichtet hat. Bist du deppat...
Piep, Piiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeep! ALTER! Vollrun am linken Stock. Ich bin mit meinen Gedanken dermaßen in die Kipferlgeschichte verstrickt, dass ich um 5 Sekunden länger brauche als normal, was mir den offensichtlich gröberen Fisch in den Seerosenwald abhauen lässt. Scheisse. Zur Hölle mit den NusskipferlN! Der Stock ist krumm und tief in den Rosen tobt eine garstige Macht. Verdammt, jetzt kann ich nur auf Spannung halten, warten und hoffen. Im strömenden Regen bei 14°C Aussentemperatur muss ich jetzt nicht schwimmen gehen, wenn es sich vermeiden lässt. Bange Sekunden vergehen, als das U-Boot aus den Stengeln schießt. Joooooo, die Leine ist frei, der Knüppel nach wie vor feinstens in der Biegung und auch die dichten Krautfelder können mir den Sieg nicht mehr nehmen. Ich hab ihn. JAWOI! Ein wirklich feistes Schuppenschwein der guten Buschkategorie steht da plötzlich in meinem Kescher. Muahhahaa. So soll es sein. FUCK the Nusskipferl!Mit dem Schweinchen auf dem Speicherchip der Kamera kann ich befriedigt die Heimreise antreten. Böse Gitarrenmusik tönt lautstark aus dem Radio, schädelwippend und beschwingt fahr ich auf die Autobahn. 5 Minuten lang. Aus. Stau. Irgendwo Unfall. Rien ne va plus. Nichts geht mehr. Feine Sache. Nein, dem nicht genug, muss ich mit gesenktem Haupte schon wieder das Sackerl sehen. Neiiiiiiiiiin. Bunte Heck- u. Blinklichter klitzern durch nasse Scheiben, monotones Brummen laufender Motoren und ich bin abermals gefangen.
Im Kipferl-Land...
Bist du gelähmt. Am liebsten hätte ich Rollerdillo beim Verlassen des Ladens angegrunzt, dies aber dann doch sicherheitshalber unterlassen. Ich war ja bald Ehemann, Lehrer und 42. Genau. Möglicherweise verstand der hochgeistige Eliminator diese Geste animalischer Urinstinkte gar nicht. Wertlos. Wir kennen das ja. Am geilsten waren dann diese manchmal auftretenden Montage, wenn ich spät dran war, zum Bäcker eingebogen bin und mich schon eine Schlange an gelangweilten Kunden erwartet hat. Logisch. Unser lustiger Vollhinist war auch da und überlegte mal wieder, was es heute werden würde. Irgendwann lag es mir wirklich schon auf der Zunge, aber die alte Dame vor mir, nimmt mir die Worte aus dem Maul. "Na sogns scho zwa Nusskipferln wie jedn Tog!" Muahahaha. Obwohl die Lage wirklich ernst war, konnte ich mir ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen. Böse blitzten seine geschminkten Rehäuglein durch die Hornbrille, er bestellte seine zwei Kipferl und verließ nach obligater Slomo-Bezahlung die Stätte des Grauens. Als er mich passiert, sehe ich in meinem Geiste gar wunderbare Dinge. Ich sehe, wie mein flinkes Bein vorschnellt, er einhakt und mitsamt Roller und Laptoptasche auf den Gehsteig köpfelt. Die Zähne ausgeschlagen, die Brille kaputt und das fahrende Ungetüm in hohem Bogen in die nächste Schaufensterscheibe einfährt. DIE NUSSKIPFERLN KAUNST JETZT MIN STROHREHRL FRESSN, DILLO! Aber nein, die Realität sieht anders aus. Da hoffst du nur, dass er morgen nicht vor dir ist und du tatsächlich versuchst, früher wegzugehen, damit es zu keinem Kontakt kommt. Aber dann ist er an diesem Tag auch früher dran. Der muss mir auflauern. Anders gibt es das nicht mehr. Ich hasse ihn...Nur weil ich beim letzten Mal hier am Wasser meinen Tag mit der Kipferlgeschichte im ewigen Stau beendet habe, muss ich jetzt automatisch wieder dran denken, während ich mein minimalistisches Tackle positioniere. Andere Stelle, andere Spots, die gleichen Kipferl im Gehirn. Verdammt. Kurze Ablenkung, da das Krautaufkommen mittlerweile beängstigende Ausmaße angenommen hat. Zwei, drei Mal einkurbeln und du hast einen Kubikmeter Grünzeug bei dir am Ufer liegen. Feine Sache. Aber das geht schon zur Not. Würde da nicht Rollerdillo auf meinen Nervenbahnen Amok fahren, während des Wartens auf den Hub. Und dann kam dieser eine Tag. Dieser legendäre Tag, wo er für alle Zeiten komplett bei mir verschissen hatte. Da standen die Sterne wahrlich ungünstig, dazu der Zeitpunkt schlecht gewählt und alles gegen uns. Gegen mich, weil die Zeichen gegen den Sakkomaten standen... Nachdem er nämlich wieder mal minutenlang gustiert und dann seine Nusskipferl bestellt hat, kam die Antwort der Verkäuferin wie der Hammer des Thors über ihn. "Es tut uns sehr leid, aber wir haben heute keine Nusskipferl mehr. Möchten sie eventuell was anderes?" Neiiiiin, das durfte nicht die Wahrheit sein. Jetzt war die Hölle los und im Köpfchen unseres Probanden herrschte Krieg. Das war ihm sofort anzusehen. Und dann bestellte er tatsächlich. "OK - dann nehm ich zwei Pariser Kipferl!" und die nette, rundliche Bäckereiangestellte packte ihm die letzten zwei Pariser Kipferl ein. MEINE zwei Pariser Kipferl. Bist du deppat. Jetzt waren in meinem Kopf keine Balletttänzergeschichten mit gestelltem Bein mehr auszumachen. Flying Closeline, Ellbow Slam und Octopus Stretch, bis er wimmernd nach Luft röchelt. Das war dein letzter Fehler. Ich habe mich umgedreht, wortlos das Geschäft verlassen und bin nie mehr hingegangen. Ich wollte seinen Endsieg einfach nicht mit ansehen. Ich bin ja bald 42, Ehemann und Lehrer. Rollerdillo war Geschichte, doch hat er mit Sicherheit einige, tiefe Narben auf meiner Hirnhaut hinterlassen. Vermutlich bösere als der einzige kleine Schuppige, den ich bei dieser Session eingenetzt habe. "Eventuell a Nusskipferl dazu?" NA DANKEEEEEEEE!
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Sludge

Montag, August 25, 2014

Mein Übertritt !

Tja. Da gab es mal so ein Märchen. "Von Einem der auszog, das Fürchten zu lernen." hieß das wohl. War ziemlich cool und hat mir seinerzeit schon ein Leuchten in die Äuglein getrieben. Der hat mit Totenköpfen Kegeln gespielt und nichts konnte ihm Furcht einjagen. Und schon damals sah ich irgendwie da Parallelen zwischen dem Protagonisten in der Mär und mir. Wobei ich trotzdem jahrelang in meiner Kindheit bei Dunkelheit, den Retourweg vom Schuppen im Garten, sicherheitshalber zurückgerannt bin. Ohne mich auch nur einmal umzublicken. Whaaa. Man konnte ja nicht wissen. Irgendwann bin ich dann doch dem Kindesalter entwachsen, habe mein Unwohlsein bzgl. der Finsternis schnell ad acta gelegt und mein kommendes Leben fortan mehr oder weniger angstlos bestritten. Nach all den Jahren Fischen fürchte ich mich nicht mal mehr vorm blanken. So weit ist es gekommen. Mit den beruhigenden zwei Überschweinen dieser Saison im Hinterkopf kann ich auch in Hollwood ohne Gänsehaut antreten, was sich so äußert, dass ich einfach weiter meine Schweinchen fange. Die gute, alte 26er Source Kugel fängt und fängt und fängt...Ich werfe nicht mal mehr neu aus, wenn ich keinen Hub habe. So faul und präpotent bin ich mittlerweile. Wenn ich eben keinen Drücker habe, dann kurbel ich einen Tag später meine Falle ein und fahr heim. Ohne Grimm und ohne bittere Enttäuschung. So kenn ich mich gar nicht. Da bleibt nur mehr ein Ausweg. Ein neues Kapitel in der Ära des Sludge. Von Einem der auszog, das Fürchten zu lernen. Muahahaha. Ganz genau. Und so beschließen meine Isa und ich, dass wir nach 20 Jahren gemeinsamer Abenteuer, den "Point of no return" erreichen wollen. Wir heiraten. Einfach so. There´s nothing left to lose. Ohne Klimmbimm, Trillionen Schaulustiger, Blasmusikkapelle und Affentheater. Für uns. Theoretisch war die ganze Sache ja lässig auf die leichte Schulter zu nehmen, als dann aber tatsächlich der Tag angebrochen war, wo es soweit sein sollte, machte sich ehrlicherweise doch leichtes Muffensausen bemerkbar. Jaaa, da war es. Dieses angenehme Gefühl des Gruselns. Vielleicht würd´ ich ja auch noch wirkliche Angst bekommen, je näher der Termin am Standesamt rückte? Doch als wir dann in Heiratsmontur im engen Kreise der Familie den Traunungssaal enterten, wußte ich wieder, warum ich keine Furcht erfahren würde. Ich war die Furcht selbst. Der abgefahrene Tapetenhintergrund der Raumes hatte fast exakt das gleiche Muster wie mein HUF-Zwirn. Und keiner von uns hatte diese Räumlichkeiten jemals zuvor gesehen. Bist du deppat - da musste wahrlich der Teufel seine Hände im Spiel haben. Ich hab´ mich wie der Predator aus der Wand geschält, um mein finales "JA" abzugeben...Seltsamerweise habe ich mich danach nicht wesentlich anders gefühlt wie vorher. Was erzählen da die Leute immer? Selbst die anschließende gemeinsame Nahrungsaufnahme war durch die Bank lustig und weder die Hochzeitsnacht noch der Morgen danach bargen irgendeinen Grund zum Gruseln. Jetzt waren wir also offiziell Eheleute und für unser Rundherum war dies scheinbar spannender als für uns selbst. Wir waren ja die gleichen wie vor der Trauung. Aber ja, dann sollte dem eben so sein. Am folgenden Tag gings dann gleich in den Flitterurlaub für 10 Tage nach Gozo/Malta, wo die Maschine endlich mal runtergefahren werden konnte.Einfach nur pennen, gut essen, im Wasser rumkriechen und ein wenig die Insel erkunden. Ich bin nicht mal fischen gegangen, obwohl ich ja logischerweise niemals ohne Equipment so einen Urlaub antrete. Ich hab die Ruten vor Ort nicht mal ausgepackt. Und nein, das hat nichts damit zu tun, weil ich jetzt verheiratet bin, hehe. Das war in erster Linie darin begründet, dass ich grundsätzlich erst aufgestanden bin, wenn mein Körper es mir mitteilte und nicht weil mir das kleine elektronische Weckgesindel irgendeine Uhrzeit ins Hirn oktroiert. Bis Mittags waren wir dann frühstücken und ab da war es mittlerweile so geistesgestört heiß, dass wir täglich den Nachmittag im Appartement verbracht haben, weil es draussen für uns nicht auszuhalten war. Tja, am Nachmittag wurden diverse Unternehmungen getätigt, so wie etwa der erste Tauchgang unseres Leben, worauf uns schnell klar war, dass wir diese wirklich geile Erfahrung wohl intensivieren werden müssen. Ja, wir hatten uns beide fürs erste Mal wirklich sehr gut angestellt und logischerweise ansatzlos Blut geleckt...Und nach Schorcheln, tauchen,schwimmen und spazieren am Nachmittag gings dann schon wieder zum Abendschmaus mit etwaigem anschließenden Cocktail und ab in die Federn. Wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten ;) Kaum aus Gozo retour, mit dem Wissen im Nacken, dass man als Ehepaar der Finsternis auch nichts fürchten musste, ging ich mein nächstes Abenteuer an. Der Start meiner Vorbereitungen zur Lehrtätigkeit im Bereich Gamedesign auf einer höheren technischen Schule in Wien. Daneben pädagogische Hochschule, mein normalsterblicher 20h Job und meine durchaus breitgefächerten, zeitintensiven Hobby-Eskapaden. Einteilung und der unbändige Willen die achso karge Lebenszeit möglich erfahrungsintensiv aufzusaugen, sind der Schlüssel für meinen Motor. Ich kann nicht anders. Und möglicherweise lern ich ja jetzt endlich das Fürchten, wenn 14-19jährige Jugendliche und Heranwachsende auf lehrende Professorenopfer wie mich warten und nach der Vernichtung meiner pädagogischen Synapsen lechzen. Verdammt, irgendwie wird das auch nicht funktionieren, denk ich. Immerhin bin ich ja nach wie vor der Swampjack, der Silberrücken und der Buschmonsterbezwinger, der jetzt noch dazu den Übertritt gewagt hat. Diese letzte Prüfung der Angst bestritten. Im Angesicht aller Anwesenden mein finales JA gegeben habe. Was soll jetzt noch kommen? Die Alien-Invasion wär eventuell noch eine Option. Da warte ich aber auch schon lange drauf. Nicht zu vergessen, unser aller mitteleuropäischen irrsinnigen Politiker betreiben weiter ihre abgrundtiefe, verabscheuungswürdige Kriegstreiberei, bis es zu spät ist. DAS macht mir Angst. Nicht der nächste Blank, das Eheleben oder pubertierende Schüler. Der Meister Lama hat mal so in der Art ganz treffend formuliert: Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Leben und Handeln ist...
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Sludge

Sonntag, August 10, 2014

Talkin´ trash with the devil !

Weil sich ja seit geraumer Zeit immer wieder die gleichen fischerspezifischen Fragen diversester Thematiken in meinem virtuellen Postfach häufen und ich ja auch nach wie vor eine Meinung zu allerlei Skurrilitäten im Angelzirkus besitze, habe ich diese nun in Form eines "besonderen" Interviews, so gut es eben ging, ehrlich beantwortet. Sollten sich vermehrt wieder neuere Halbwissenslücken auftun, wird dies nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich zu Wort gemeldet habe. Da gibts sicher noch Einiges, wozu ich meinen wertbefreiten Senf abgeben kann ;)
Greets
Sludge

Samstag, August 02, 2014

Die Schlacht in einem selbst !

Nach den letzten geistbefreiten Vorkommnissen an den Ufern der Buschlacke, die alljährlich im Hochsommer einhergehen, habe ich zum Eigenschutz meines Nervenkostüms einen Entschluss gefasst. Ich werde bei strahlendem Wetter in den Monaten Juli und August nicht mehr am Altarm antreten. Selbst an den körperlich unangenehmsten, von Trillionen Blutsaugern verseuchten Plätzen bist du früher oder später mit dem Besuch von "Naturteichschwimmern" und uneinsichtigen Probanden des mumiengleichen Alteingesessenen-Clans konfrontiert. Ansatzloses "Hol die Angeln ein Gestörter. Wir waren schon vor 40 Jahren da baden, also machen wir das auch weiter !" Ja genau, so in der Art. Von fast devoten, an die vermeintliche Vernunft appelierenden Erklärungsversuchen, warum du das jetzt nicht machen willst, bis zu selbst grimmig anmutendem Gorillagehabe samt schwerer Brustaufblähung habe ich das Spiel durchgespielt. Da hast du einfach keinen Auftrag. Da nützt es dir nicht mal was, wenn dein halber Körper mit Teufelstattoos übersäht ist, um ein wenig Einsicht zu bewirken. Mit den 70 - 80jährigen Gegner zu kämpfen wär jetzt auch nicht unmittelbar der intelligenteste Weg, um seinem Recht Gehör zu verschaffen und so bleibt dir nur mehr eins: Moven und 2 Stunden später mit den Nächsten diskutieren. Wenns überhaupt so lange dauert. Nein, da scheiss ich drauf. Ich bin es satt. Anders sieht die Sache aus, wenn dunkle Wolken am Himmel stehen, Regen auf die Fensterbänke prasselt oder die Temperaturen in den Keller fallen. Dann sitzen sie zuhause wimmernd hinterm Ofen und harren der achso ungerechten, traurigen Zeit.
Was für sie die Traurigkeit, ist mir das Paradies...Heute war so ein Tag. Bereits mit geschlossenen Augen im Bett kann ich zeitig in der Früh die Musik in meinen Ohren hören. Dieser monotone Rythmus, dieses leise Trommeln an der Fensterscheibe, welches dazwischen von einem vorbeifahrenden Auto den wahren Flow bekommt. Wie die Reifen des Wagens über offensichtlich pitschnassen Asphalt pflügen. Jaaaaaa, es regnet volle Kanne.  Von tausend Leuten widert es jetzt 999 an wenn sie auf die Straße sehen. Mir schnitzt es ein diabolisches Grinsen ins Gesicht. It´s BUSHTIME! Abgesehen davon, dass man bei solchen Wetterkapriolen von den Humanoiden gefeit ist, kommt diese ungleich höhere Wahrscheinlichkeit hinzu, vermutlich bei weitem besser zu fangen, als dies sonst im Hochsommer der Fall war. Schnell war der Schlaf aus den Äuglein gerieben, das Tackle geschultert und kaum eine Stunde später bin ich schon mutterseelenalleine an einem der Nobelswims gesessen und hab´auf den Hub gewartet. Strömender Regen, böiger Wind und ein dunkles, dichtes Himmelsdach, das jegliche Ideen über etwaige Wetterbesserungen zunichte machte. Die schwirrenden Blutsaugergesellen bewegten sich auch im halbwegs erträglichen Rahmen und somit stand einem fröhlichen Rosenfischen nichts mehr im Wege...Kaum eine halbe Stunden vergeht und erste Pieper kündigen den nahenden Drücker an. Die Falle liegt ziemlich genau einen Meter vor den Seerosen und ist bei solcher Witterung fast ein Garant für den Hub. Chamäleongleich krieche ich aus meinem Stuhl und mach mich zum Abheben bereit. Jetzt heisst es aufpassen. Die fetten Regentropfen prasseln auf mich nieder, verschmelzen auf meinem Rücken zu einer homogenen Masse und laufen mir vereint hinten in die Hose. Whaaa. Lauernd hocke ich neben meinem Stock und gebe mich der Agonie des "schlechten" Wetters hin. Zwei Minuten vergehen und dann geht es blitzschnell. Pieeeeeep. Volldruck. Ich fetze die Rute von den Sticks, der Neunfüßer geht in die Knie und, und, und? ...TSCHING! Ausgestiegen. Na OK. Noch bin ich guter Dinge, weil ich ja bestens weiß, dass es bei dieser Art von Angelei durchaus häufiger zu derartigen Ereignissen kommt. Entweder der klebt und du hast ihn, oder er ist weg. Leine kann ich ihm nicht wirklich geben, weil er sonst unweigerlich in den dichten Rosenwald taucht und man erst recht angeschissen ist. Flink wird ein neuer Köder aufgezogen ( im aktuellen Falle eine 20mm Source Murmel und ein halber 15mm Black Buzzer Popper ) und die Falle erneut vor den Wasserstauden versenkt. Der Wind hatte mittlerweile etwas nachgelassen, aber der Regen schien nach wie vor an Intensität zuzulegen. Nichts desto trotz kann ich etwa eine Stunde später durch diese Umstände genau sehen, wie sich die breite, aber feine Blasenspur meinem Spot nähert. Ich kann mich wieder bereit machen. Rundherum prasseln die Tropfen aufs Blätterdach, schlagen in den aufgeweichten, morastigen Boden und bespritzen mich bis zum Kinn mit Schlamm. All das nehme ich nicht mal wirklich wahr. Ich habe nur Augen und Sinne für den kleinen orangenen Bissfänger vor mir, der da an der Leine hängt und jede Sekunde ausflippen könnte. Ein kurzer Rucker und der Bobbin hüpft 3cm Richtung Blank. Das genügt. Ich hebe ab. YES! Ein fetter Schwall vor den Rosen und schon ist der Knüppel krumm. Kein einzelner Ticker darf da von der Bremse kommen. Ein Antritt nach rechts Richtung dichtes Kraut und TSCHING! Weg. Ausgestiegen. HUREREI! So. Jetzt hab ich´s dann nicht mehr so locker genommen. Zwei Hübe, null Fisch. Alter. Das sind 100% Aussteiger. Da brauch ich kein Mathematiker sein. Hmm. Was kann ich machen, dies eventuell zu ändern? Ich bau um. Wahrlich untypisch für mich, aber im Angesicht der Furcht des nächsten Aussteigers der einzige Weg. Zumindest für mich mental. Auch wenn ich nicht wirklich davon überzeugt bin, ziehe ich einen LineAligner auf und verlängere das Haar. Probieren schadet ja nichts. Wieder geht der rotschwarze Schneemann vor die Rosen baden. Diesmal vielleicht 2m vorm gefährlichen Rand. Sicherheitshalber. Tjo, was soll ich sagen? Nichts passiert zwei Stunden lang. Hab´ ichs verschissen? Kann gut sein. Aber möglicherweise muss ich nur wieder näher an die Staudenzone. Ich kurbel ein und schlenze die Montage wieder näher zum Wasserwald. Und wirklich wahr. Es vergehen keine zwanzig Minuten und der Stock ist zum dritten Mal krumm. Muhahahaha - und diesmal klebt der Buschsauger wie im Bilderbuche und ich kann einen urigen, halbstarken Spiegler einnetzen. Joooo, der Bann war gebrochen...Bist du deppat. Ich bin zu gut. Während ich eine neue Murmel aufs Haar ziehe, klopfe ich mir innerlich auf die geistige Schulter. Ich erfahre, ich reagiere, ich ziehe die richtigen Schlüsse, baue um und siege. Und DIE wollen mir war erzählen. Dass ich nicht lache. Schon klatscht die scharfe Falle erneut kurz vor den Rosenblättern auf die Wasseroberfläche und ich lasse mich nass bis auf die Unterhose breitbrüstig in den Sessel fallen. Wieder vergeht die obligate Stunde. Wieder Blasenteppiche. Jawoi. Der Regen war inzwischen auch zum Nieseln mutiert und ich fühle mich bereit wie noch nie, den nächsten Saugdeppen auf die Matte zu hieven. Zwei Pieper vom Kollegen Delkim und ich hebe ohne zu denken einfach ab. GONG! Die nächste Explosion im gerade mal 1,5m tiefem Wasser. Ha, den schwerstens gekrümmten Knüppel in den Händen sehe ich mit leuchtenden Augen die Leine durchs Wasser schneiden. Nein, bitte nicht hin zu den Bäumen. Aber ich muss mir die Sorgen nicht lange machen, denn im selben Atemzug erfahre ich den wohlbekannten, äußerst unangenehmen Ruck in der Rute, der mir unmissverständlich signalisiert, dass es jetzt 1:3 steht. Verdammt. Das sind nicht die Serien, von denen ich träume. Soll ich wieder umbauen? Wieder retour aufs Altbewährte? Scheisse, ich weiß es nicht. Es ist diese Schlacht in einem selbst, wovon ich geheilt schien. Nein, vielleicht wars einfach nur Pech. Ich angle jetzt weiter so. Tjo. Nach Gegner Nummer 5, der mir ebenso direkt nach Kontaktherstellung abhanden gekommen ist, hab´ ich dann doch wieder umgebaut... shit happens.Was zur Hölle war da heute nur los? Nachdem ich den Kampf in meinem Haupte offensichtlich verloren hatte, konnte ich noch einen kleinen Schuppigen fangen und zwei Aussteiger addieren. Was habe ich daraus gelernt? Nichts. Vom innerlichen Schulterklopfen war ich mittlerweile Galaxien entfernt und meine Brust war in etwa so breit, wie die eines abgehungerten Zwerghuhns. 8 Hübe in gerade mal 10 Stunden und genau zwei gefangene Rüsseltiere. Gut, langweilig ist mir zumindest nicht geworden und wenn beim nächsten Mal der Himmel seine Schleusen öffnet, werde ich abermals bereit sein zu erfahren, zu reagieren, zu handeln. Wenigstens weiß ich wieder mal, dass ich nichts weiß.  Die etwas diffenzierte Sichtweise zu vorhandenen Wetterkapriolen wird mich immer in den Busch locken, wenn es dann erneut heisst: Was für sie die Traurigkeit, ist mir das Paradies. Auch wenn ich der Angeschissene bin ;)
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Sludge

Donnerstag, Juli 10, 2014

Gefühle der Raumfaltung !

Pfff. Immer wieder rätselhaft, das Ganze. Da gibt es so unerwartet auftretende Gegebenheiten auf dem Planeten, wo du dich danach zum fragen gezwungen siehst, ob das tatsächlich so passiert ist?! Solch eigenartige Gefühle der persönlichen Raum/Zeitfaltung, wo man bei intensiverem Nachdenken wirklich am mentalen Abgrund wandelt. Nein, ich meine jetzt nicht diese Sorte Openminder, wie sie nach dem intensiven Lecken einer mexikanischen Netzkröte im Bufotoin-Rausch auftreten. 3 Promille Alkohol im Blut zählen auch nicht. Ganz anders...Selbst jetzt in dem Moment, wo ich diese Zeilen in die Tastatur klopfe, wächst mir erneut der Grinser im Gesicht, wenn diese ganze geistesgestörte Aktion erneut in meinem Haupte abgespult wird. Da kommst du im Winter auf irgendeine willenlose Idee und verfolgst die dann kontinuierlich, trotz berechtigtem Zweifel und mehr oder weniger fast logischerweise ausbleibendem Erfolg. Aber Hauptsache immer weiter das Maul aufreissen, präpotentest daherschwafeln und die Mitleidenden am Wasser ständig daran erinnern, dass es früher oder später mit dieser "Taktik" scheppern wird. Dafür dann gewaltig. Auch wenns keiner glaubt. Nicht mal ich selbst. 26er Monstersystem. Nur den Hakenköder pimpen. Füttern nur sporadisch und lediglich mit Kugeln. Logik Null. Aus reiner Faulheit geboren. Abgerundet wird das Ganze noch mit der fast achtjährigen Erfahrung, dass alles andere sowieso auch nicht mehr bringt. Ja, eventuell mehr Fisch, aber die ganz dicken Schweine fangen ohnehin die, die willenlos sind und sich den Arsch am Wasser breitsitzen. Da ich die Zeit nicht habe, muss ich eben in die wertbefreite Zaubertrickkiste greifen und mir ein System zurechtlegen, was meinem Unwillen, kiloweise Partikel und anderes Gesülz mittels 835 Raketenwürfen in die Fluten zu schnalzen, nur entgegen kommt. Ich pimp´ mir einfach eine Kugel und rede mir dann ganz fest ein, dass ich nun die ultimative Waffe besitze und fisch das ganze Jahr damit. Quantentheoretisch eben. Überzeugung ist die Macht. Und ich drücks meinen Angelkollegen solange rein, bis ich´s selbst glaube. Das funktioniert tatsächlich. Wie ich das mache, also nicht die Selbstsuggestion, sondern die magische Murmel behandle, ist übrigens hier zu finden -> the SLUDGEBOMB
Alles gut und schön, aber das Maulaufreissen war ja noch nie das Problem. Das funktioniert bei mir schon über 41 Jahre ganz ordentlich. Abgefahren wird die komplette Geschichte dann, wenn die Dinge in der echten Realität auf einmal so eintreten, wie man es zwar monatelang prophezeit, aber man selbst natürlich nicht erahnen konnte, wann und ob es jemals überhaupt passiert...Nein, nicht genug, dass ich Ende Mai nach 8 Jahren verbissener Jagd auf einmal meinen ersten 20kg+ Rüssler auf der Hollywood-Grube in die Kamera halten darf ( dazu später mehr in einer der einschlägigen Hunter-Gazetten ), fährt dreieinhalb Wochen später ein alter Bekannter namens Boogieman am Uferspot in die Falle und beschert mir einen 40mins Mitternachtsfight der Sonderklasse. Dann steht er im Kescher. Groß, breit und böse. 22,60kg. Seit 3 Jahren verschollen und nun ebenfalls klar über dem wertbefreiten 20er. Ich packe die Welt nicht mehr. Vor nicht mal zwei Stunden hatte ich mich, den kürzlich zurückliegenden Gewaltfang im Rücken noch breitmauliger wie sonst, vom meinem Swimnachbar Hörstman in die Nachtruhe verabschiedet: "Bis glei Hörste - i werd jetzt daun boid in Drucker hom. Moch die worm zum fotografieren. Wird zwor da Anzige sei, oba waßt eh, i brauch nur an Hub! Muahhaaha!" Und jetzt liegt es wirklich da. Das nächste Monster. Der Geifer tropft mir aus dem Maulwinkel und verschwimmt mit der schimmernden Schleimhaut des Riesensaugers. Alter. Da soll noch mal wer sagen, Maul aufreissen lohnt sich nicht. Einfach ahnungslos, die Leute. Ich brauchs wohl nicht extra erwähnen, oder? 26er Monstersystem - what else ;)
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Sludge