Wir schreiben Anfang Oktober 2011. Endlich konnte ich der Einladung von Mr. Dark Mörner himself nachkommen und mich auf den Weg ins Frankenland machen. Da ich ja keinerlei persönliches Equipment mitschleppen musste, weil mir freundlicherweise alles zur Verfügung gestellt wurde, trat ich die Reise mit dem Flugzeug an und ersparte mir somit eine wesentlich längere, nervenzermürbende Anreise mit der Karre. Das war schon verdammt viel wert. Am Flughafen wurde ich von Mark abgeholt, um direkt danach meine Lizenz zu besorgen und nach einem kurzen Abstecher in einen lokalen Supermarkt gleich ans Wasser zu fahren. Da mir ja bis dato noch kein germanischer Karpfen vergönnt gewesen war, bin ich vorerst voller Hoffnung aus dem Bus gestiegen und habe alsbald die bittere Realität am Gewässer tief in mich aufgesogen. Strömender Regen, etwa um 15°C kälter wie gestern und kein bisschen fängig. Jawohl. Was war anderes zu erwarten, wenn ich mal wohin zum Fischen fahre? Warum bin stets ich der Angeschissene? Warum immer ich ...
Nichts desto trotz haben wir angegriffen. Eine Zwei-Mann-Armee gegen den unsichtbaren, mächtigen Feind des Versagens. Nein, wir würden nicht bremsen. Aber wie zu erwarten, ging genau nichts. Auch bei den beiden anderen Saugdeppenjägern Rick und Tobi herrschte absolute Sendepause. Kein Wunder bei dem eklatanten Wetterwechsel. Schnell war der Schuldige gefunden und die erste regenreiche, kalte Nacht lag aktionslos hinter uns. Kein Pieper am ganzen Wasser. Na logisch. Der Sludge kommt irgendwo hin und nichts geht mehr. Ein Klassiker mittlerweile. Der Antichrist. Um dem ganzen Schabernack noch den Eselshut aufzusetzen, habe ich in der Früh gleich mal den Hang in kugelnder Form zum Ufer runter genommen, wobei mir die Naht meines Watstiefels aufgerissen ist und ich dies aber erst bemerkt habe, wie ich schon bis zum Knie in der eiskalten Flüssigkeit gestanden bin. Yes. Am ersten richtigen ganzen Angeltag einen undichten Gummifußschutz. Es konnte kaum besser kommen. Pech konnte man haben, aber man musste sich nur zu helfen wissen. In Windeseile war der Müllstrumpf Hager geboren und sorgte bei meinem germanischen Gastgeber für gar legendäre Gesänge.

Mark und Tobi mussten arbeiten gehen und so blieben der Rick und ich alleine am Wasser zurück. Mittlerweile hatte auch der Regen nachgelassen und die Sonne blitzte sogar zwischendurch durch die engen Lücken in den tiefschwarzen Wolken. Nein, das war noch nicht alles. Soviel war mal klar.Aber abseits der klimatischen Differenz zu gestern waren auch erstmals Rüsseltiere auszumachen, die sich freudigst aus dem Wasser schraubten. Jaaaaa, das sah uns gut her. War vielleicht jetzt genau die Wende im Gange? Vom Maulvernagler-Syndrom zur vielzietierten herbstlichen Fressorgie? Nein, das wäre untypisch für mich, einen eventuellen Traumzeitpunkt zu erwischen. Doch entgegen meines grenzenlosen Pessimismusses läuft tatsächlich um etwa 16Uhr meine Mühle ab. Dank der von Mark geliehenen 11" Armalites mit einer Testkurve von 2,5lb erlebe ich einen Genussdrill der Sonderklasse und kann mich nach erfolgreichem Einnetzen über den wohl schönsten Spiegelfisch meines Lebens freuen. Mein erster Germane. Muahahahah. Na, ich war schon mal befriedigt. Selbst wenn ich bis zum Heimflug in 4 Tagen keinen einzigen Pieper mehr haben würde. Ultimativ...
An dieser Stelle ein THX an den Rick, der mir meinen Traumfang abgelichtet hat. Muahahah. Der Schluchti hatte zugeschlagen. Nachdem Mark und Tobi unabhängig voneinander abends auch wieder nach harter Arbeit am Wasser eingetroffen sind, waren die folgenden Stunden überhaupt die feinste Show, weil ich natürlich fett mein Maul aufreissen konnte und vorerst wieder Ruhe herrschte. "Da muss ich als Ösi daherkommen, um euch zu zeigen, wie es geht, hehe? Der Schluchti haut den Franken den Arsch am eigenen Wasser aus!" Ja, wir hatten wirklich Spaß. Insbesondere ich natürlich. Bereits jetzt war klar, daß ich wieder mal wirklich lässige Leute kennengelernt hatte und mit denen noch eine echte Show haben würde. Unfug treiben, Blödsinn reden, krummlachen und die ganze Sache nicht zu ernst nehmen. Die waren im Prinzip wie ich. Ja, der Schwachsinn kennt eben keine Grenzen. Und das tut gut, es immer wieder zu erfahren. In der Nacht konnten Mark und Tobi ebenfalls erste Fänge verzeichnen und am nächsten Morgen habe ich gleich die nächste Lektion bekommen. Frühstücksbrot ala Dark Mörner. Ich habe schön geschaut, wie der Mark den Dickmann genommen hat, um ihn auf ein Mischbrot zu stellen, dieses in der Hälfte umzuklappen und den fetten Schaumprinzen dazwischen zu vernichten."Wos? Des isst du jetzt so?" - "Jo, is wie ein Nutella-Brot!" Alter...

Irgendwie kann ich jetzt gar nicht sagen, warum ich das nicht gekostet habe. Wahrscheinlich war der massive Eindruck jenseits meiner österreichischen Geschmackslogik zu stark für mich. Nach diesem üppigen Frühstück packten wir vorerst mal zusammen, um den Tag in der Stadt zu verbringen. Sicherheitshalber fütterten wir noch ordentlich nach, da wir abends wieder kommen würden. Die geschah auch so und wir hatten um halb3 in der Früh wieder alle scharfen Fallen am Grund. Natürlich hat es wieder vom Himmel geschüttet, was die Ruderei mitten in der Nacht auch nicht wirklich zum Genusstrip mutieren ließ. Die Nacht verlief ruhig und wir entschieden uns vormittags bei Tageslicht und Regenpause alle Montagen neu zu platzieren. Rick und Tobi hatten in der Zwischenzeit auch nicht wirklich von Sensationen zu berichten und so gingen alle Probanden wieder eifrig an die Sache heran. Richtig aggressiv. Franken-Aggro-Style eben...

Den folgenden Tag konnten wir in aller Seelenruhe wieder mit grenzwertigen Theorien und randpsychischem Gedankengewirr verbringen und über Gott und die Welt philosophieren. Den einzigen Fang den ich aufweisen konnte, war der halbverweste Aal, den ich nach einem Fehlbiss irgendwo beim Einkurbeln gehakt hatte und mir die letzte aufgenomme Nahrung wieder retour in die Mundhöhle trieb. Selten hatte ich was dermaßen Widerliches durch meinen Riechrüssel aufgenommen. Es war einfach jenseits von Gut und Böse. Der Glücksaal. Na genau...
Auch bei den Anderen herrschte tagsüber wieder traurige Stille und so brach die Nacht und der nächste Regenguss herein. Noch dazu wurde es kontinuierlich empfindlich kälter, was auch nicht gerade meine Hoffnung auf Bissorgien schürte. Was solls. Ich hatte meinen geilen Spiegler schon. Doch entgegen meiner Erwartungen ging es in dieser Nacht los, denn ab nun liefen in unregelmässigen Abständen die Schnüre von den Rollen und wir konnten alle unsere Fische fangen. Keine ultimativen Sensationen, aber durch die Bank schöne, kräftige Saugdeppen, die uns wirklich Freude machten. Jawohl. Noch dazu hatte ich das unverstandene Glück einen wirklich feisten Brachsen zu erhunten, welchen ich fett grinsend auch abgelichtet haben musste und damit auf dezente Verwunderung stieß. Ja, so ein Schleimprinz war jetzt nicht gerade jedermanns Traumfang. Aber so war er, der Schluchti ;)








Bis zu meinem Heimflug spielte die Bühne der klimatischen Kapriolen all ihre Stücke und wir konnten den Einzug des tiefen Herbstes in wenigen Tagen wirklich hautnah miterleben. Traumhafte Stunden und bittere, harte Nächte. Mann, hatten wir Emotionen;) Dazu waren des Öfteren noch die Ruten krumm und ich habe beim Lachen Tränen vergossen, wie lange nicht mehr davor. Alter, was willst du mehr. Ich hätte an den Ufern des fränkischen Gewässers mit diesen Leuten noch Wochen verbringen können und musste aber nach 5 Tagen schweren Herzens die Heimreise antreten. Aber Eines is so kristallklar wie ein Gebirgsbach: Ich komme 100%ig wieder. Ein absolut fettes Dankeschön geht an den Mr. Dark Mörner, der mich eingeladen, mir all sein Equipment zur Verfügung gestellt und mir diese überaus lustige und erfolgreiche Session erst möglich gemacht hat. BIG THX, Bro! Möge die dunkle Macht auch weiter mit dir sein! Fat Greez und ein Danke für alles geht auch klarerweise an die fränkische Ratten- u. Krokofighter-Crew Tobi, Rick & Matthias ;) Wir sehen uns, Amigos!tight lines
Sludge












