Genau. Selbst ich, der Ahnungslose, habe hin und wieder so Phasen beim Fischen, wo ich wirklich glaube, zu wissen was ich tue. Diese meist kurzweiligen zeitlich begrenzten Situation treten insbesondere dann auf, wenn ich lange nicht mehr blank nach Hause gegangen bin. Ich denke wirklich zu wissen, wie es ablaufen wird, da ja die vorangegangenen Sessions eben ähnlich erfahren worden sind. Ich komme einfach vormittags ans Wasser, platziere meine beiden Fallen an den saisonbedingt fängigen Spots, fütter jeweils ein paar Hände Kugeln dazu und genieße die Herrlichkeit der sonnenbeschienenen Natur während des Tages...




Der Wasserspiegel war erneut um einige Zentimeter gesunken, sodaß ich linker Hand mittlerweile wieder Festland vorfinde. Die Lacke selbst klar wie nie zuvor in diesem Jahr, eine leichte Brise strich über unser Sweetspring und ich brauchte nur auf die Dämmerung zu warten. Dann kamen sie, die Saugschweine. Schleichend kroch die Finsternis heran und ich machte mich langsam aber sicher bereit, den ersten zitternden Stock von den Banksticks zu reissen. Gleich würde es passieren. Es konnte sich wahrlich nur um ein Zeitfenster von 2 Stunden handeln, bis der erste Rüsselfisch die falsche Murmel vom Boden aufsammeln würde. Der volle Mond machte sich über meiner beleuchteten, stromerzeugenden Richtungshilfe am Horizont breit und ließ die Nacht fast zum Tage mutieren. Jo. Wie geil wird das jetzt gleich sein, wenn ich mit krummem Angelstock am Ufer stehe und die Leine durchs spiegelglatte Wasser schneidet, die Bremse knattert und ich ohne Stirnlampensyndrom den Monsterfisch einnetzen kann. Jooo. Nachdem mein mental selbstgezimmertes bissiges Zeitfenster vorrüber war und an den Ruten aber auch nicht nur der geringste Kontakt zu verzeichnen war, wurde ich langsam aber sicher nervös, versuchte mich jedoch selbst mit allerlei Thesen zu beruhigen. Wird sich einfach ein wenig verschoben haben und die Mühlen glühen erst um Mitternacht. Egal. Mir solls recht sein...
Aaaaaaah. Was ist das auf meinem Fuss? Aus der Rem-Phase direkt ins Wachtrauma. Vom siedenenden Öl von den Burgzinnen bis zum Realisieren der echten Wirklichkeit. Es ist die gleissende Sonne, die mir ihre flammenden Zungen auf den einzigen Körperteil kotzt, der unterm Brolly hervorschaut. Nein. Es ist 9 Uhr morgens. Mein ganzes System für den Arsch. Wo waren die Saugdeppen geblieben? Wie kann das alles auf einmal nicht mehr funktionieren? Was war diesmal anders als sonst? Warum nur? Fragen über Fragen, die mich aber auch nicht aus der Lage befreiten, diesmal wohl ohne Fischkontakt die Heimreise antreten zu müssen. Insgeheim hofft man natürlich dann ganz besonders auf den Rausreisser während des Tages, der aber ungefähr genauso wahrscheinlich war, wie ein TripleRun bei 2 Ruten...

Oft ist es dann einfach besser, wenn man nicht allzu lange darüber siniert, sondern einfach dem Vollmond und dem klaren Wasser die Schuld gibt um sich nicht weiter mit unnötigem Denksport selbst zu belasten. Genau. So wars. Es muss einfach so gewesen sein. Eine Woche verging und schon bog ich erneut mit der Isa und meiner Nobelkutsche in den Schotterweg am Westufer. An meinen Körper schmiegt sich seit langem wieder hausgemachte okkulte Macht in Form eine Crystal Lake T-Shirts, um den rüsseligen Gesellen unter Wasser das Fürchten zu lehren. Camp Crystal Lake, hehe. Bei jedem, der sich ein wenig in der Horrorfilm-Materie auskennt und den ein oder anderen Part gesehen hat, müssten jetzt die Glocken läuten. So ist es. Freitag der 13te und der Jason Voorhees. Neben dem Michael Myers aus Halloween und vielleicht dem Krüger Fredl aus Nightmare wohl einer der berüchtigsten Serien-Filmkiller aller Zeiten. Die Icehockeymaske hat ihn, glaub ich, unsterblich gemacht ;) Auf jeden Fall bin ich mit dem mächtigen, dottergelben Höllenwassershirt angetreten und hab sicherheitshalber ein wenig mein System verändert. Nur eine Falle auf obligatem Spot, die andere völlig abgefahren mit Schneemann in die Ebene des Verderbens. Dort gibt es keine Kante, keinen Hügel und kaum Bodenkraut. Wie am Mond in etwa. Weniger als nichts kann ich nicht fangen, darum hat es schon den Wert des Versuchs verdient. Abermals ein paar Murmeln mit dem Rohr nachlegen und auf den Abend warten. Was heisst auf den Abend warten? Keine Stunde später läuft tatsächlich die Mondmühle ab und ich kann am hellichten Tage ein Kugelschwein begrüßen, welches man auch nicht jeden Tag auf der Matte hatte. Alleine der Nackenansatz war wirklich wie vom Erdtrabanten und läßt möglicherweise einen potentiellen Monsterkanditaten erahnen. Muahahaha. Mitten am Tage. Da kaun nur das Crystal Lake T-Shirt ihr Übriges dazu beigetragen haben. Anders ist das ja wohl beim besten Willen nicht zu erklären...


Jo, der Jason dürfte psychologischen Eindruck auf die U-Säue ausgeübt haben, denn welcher normale Rüsselfisch treibt sich in öder, langweiliger, strukturloser und pflanzenloser Gegend in 7m Wassertiefe umher und saugt dann gedankenlos das kleine, süsse weissrote Männchen auf, welches da wie im Schlaraffenland auf dem Präsentierteller liegt? Aber bitte. Mir sollte es abermals recht sein. Pfff, war das mal wieder ein Gefühl, noch vor dem Abend ein abgelichtetes Schwein auf der Kamera zu wissen. Das war schon was wert. Da half auch sonst kein übliches Schönreden wirklich. Gegen halb10 lagen wir auf unseren Liegen und um halb11 ging der Spaß los. Ich sage nur "Mond-Orgie". Innerhalb von 2,5 Stunden fange ich 4 Schuppler im Ödland. Kein einziger davon war über der 5kg Marke anzusiedeln. So. Jetzt erklär mir mal einer die Logik dabei. Nach den vier Kleinen ist erstmal Ruhe bis um kurz vor 4 in der Früh zum ersten Mal die "klassische" Rute abgeht. Schluss mit lustig. Ansatzlos ist klar, daß nun die Raketenfront eingestiegen ist. Jo bist du denn deppat. Mittlerweile vom ständigen Aufspringen und dem daraus resultierenden Schlafmangel während der bisherigen Nacht etwas geschlaucht, kommt mir der Fight wirklich unmenschlich vor. Irgendwie artet das in richtige Anstrengung aus. Kollege Rüsseltier schiebt entlang der Uferkante an, wie wenn er vom Teufel persönlich geritten wurde. Irgendwann schaff ich es dennoch das Untier zu bändigen und in die Keschmaschen zu lotsen. Dann liegt es vor mir. Schuppig, lange, böse und ein Heckruder, welches den mönströsen Antritt unter Wasser einigermaßen erklärt. Joooooo. So soll es sein ;)



Lustigerweise hat mich die Gluthitze in der Früh diesmal überhaupt nicht beim Schlafen gestört, was wohl daran lag, daß ich einfach erledigt war. Jetzt werde ich wirklich schon alt. Den restlichen Tag konnte ich wieder in gewohnter System-Manier in aller Ruhe das herrliche Wetter genießen, um mich zischendurch am kühlen Nass und den Schweinen am kleinen Display der Kamera zu laben. Yes, da konnte man schon wieder breitbrüstig den Tand packen und lässig an sein ultimatives Wissen, Können und an den Pakt mit der dunklen Macht glauben. Abermals vergeht eine Woche und das Crystal Lake Shirt ist leider in der Wäsche, was mich zwingt wieder mit normalsterblichen Methoden an die Sache heranzugehen. Ich fahr einfach wieder System. Ganz banal und fängig. Der Tag vergeht bisslos in gewohnter Manier und bei einem Plausch mit meinem Nachbar Walter erfahre ich, daß er gestern abend seit langem wieder Rüssler an unserer Uferkante gesehen hatte. Uhhhh. Äusserts interessante Information, da doch die letzten Futterversuche immer negativ verlaufen waren. Da lagen die Murmeln in der Früh immer unangetastet am ufernahen Platz und untertags kam da im Moment ohnhin nichts aus den grünen Tiefen. So. Jetzt war ich wieder mal im Hader mit mir selbst. Soll ich´s probieren und wirklich einen "Bankplatz" opfern, ums wieder mal vor den Füssen zu versuchen? Und so so sicher waren diese "Bankplätze" auch nicht, wie mir der System Schock vor 2 Wochen nur allzu gut bewiesen hatte. Was solls. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Nebenbei hab ich einen Klassiker sowieso draussen. Also schlenze ich den 20er Drachenblut-Single 5 Meter vor meine Füsse, fütter ein paar 6mm Pellets und eine handvoll Murmeln hinzu und zwinge die Schnur mittel Backlead unter der Rutenspitze auf Grund. 21:10. Vollrun am klassischen Stock in der Ferne und ein halbstarker Schuppler der 6kg Klasse findet schnell seinen Weg retour in die nasse Dunkelheit. Das wars. Der stramme heisse Wind aus Nordost, der laut Wetterfröschen eigentlich aus Südwesten kommen sollte, fetzt mir seit Stunden frontal in die Larve und machte das Pennen im Freien auch bei diesen hochsommerlichen Temperaturen zu einer nervenzermürbenden Angelegenheit. Ständig bin ich wach und so fällt es mir nicht sonderlich schwer, um 0:50 den Brutalablauf an der Uferrute mitzubekommen. Whaaaaaaa! Im Nu bin ich beim Stock und kann mich der Agonie des Kurzdistanzdrills ergeben. Es gibt kein Entrinnen für den wacker kämpfenden Gesellen und er muss sich der Material-Macht des Sludge ergeben. Im Schein der Kopflampe blinzle ich in die Keschermaschen vor mir im Wasser. Na. Na, des gibts ned. Ich will nicht wahrhaben, was ich im Inneren aber bereits weiß. Auf der Matte liegt dann die pure Realität. Das ist doch tatsächlich der Kugelfisch, den ich vorige Woche mit Schneemann untertags in der Mondlandschaft fangen konnte. Derjenige, der der Macht des Crystal Lake Shirts nicht wiederstehen konnte. Damit war es so klar wie der Crystal Lake und Sweetspring ;) Der Rüssler hieß Jason. What else...
Erst im dämmernden Morgengrauen wird mir klar, was da in der Nacht passiert war. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, an einem 28ha Gewässer innerhalb einer Woche ein und denselben Fisch zu fangen und das an komplett unterschiedlichen Spots? Und in Sweetspring wohnen bei Gott nicht wenige Vertreter der Saugdeppen. Das wäre wieder mal eine schöne Aufgabe für die Mathematiker unter uns. In diesem Fall muss ich dem Walter danken, ohne dessen Info ich sicher nicht so schnell direkt vor der Nase gefischt hätte. Jo und unser Kugelschwein Jason wird in Karpfenkreisen mit Sicherheit keinen Vorsichts & Lernfähigkeits-Nobelpreis bekommen. Dürfte eher in die Kategorie vernichtende Fressmaschine fallen. Aber die Sorte ist uns sowieso lieber ;)
tight lines
Sludge












