Ja, da waren wir wieder. Die Isa und ich in good old Sweetspring. Vom Sommer war mittlerweile obligat mal wieder nichts zu sehen als wir unseren Tand die Böschung runtergetrugen. Dichte Wolken belagern den Himmel, der fette Ostwind biegt dir, wie so oft, die Nasenhaare hinter die Kiemen und der Wasserspiegel war erneut um ca. 5cm gefallen, was die sinkende Tendenz in diesem Jahr nur weiter untermauerte. Was hatte ich fangtechnisch zu erwarten? Erwartung. Was war das wieder für ein Begriff. Da konnte man sicher auch stunden- und tagelang drüber philosophieren. Was erwarte ich mir? Welche Gegebenheiten in unmittelbarer Vergangenheit mussten da indiziert und in Betracht gezogen werden, um zu einer gewissen, richtungsweisenden Erwartungshaltung zu gelangen? Fragen über Fragen, die durch meine Gehirntunnels fetzen, während ich die Fallen scharf mache, um schlussendlich wieder dort anzugelangen, von wo man gekommen war. Ich erwarte mir ein Schwein. Ein Fettes. Wie immer. Oder ist es einfach nur ein ganz banaler, rationaler Wunsch und gar keine Erwartung? Verdammt. Eine räudiger Mental-Hund, der sich selbst in den Schwanz beisst. Was solls. Ich fahre mein Programm. Die Drachenblut-Montagen an den vermeintlich fängigen Sopts versenken, zu jeder Falle etwa 1kg Murmeln nachröhren und warten. Nicht "ERwarten"! Das ist der große Unterschied. Und wie ich meine Futterkiste öffne und den ersten Kübel rausnehmen will, um die Munition gegen den Horizont zu blasen, hab´ ich schon den ersten Biss. Nein, nicht auf Grund unter Wasser, sondern am rechten Unterarm. Whaaaaaaa! Und Zack! Der Zweite. Nicht schon wieder. Doch entgegen jeglicher Logik muss ich erneut die realitätstreue Tatsache hinnehmen, daß es sich da doch um ein ordentliches Reptil handelt, welches offensichtlich gar nicht darüber erbaut war jetzt gestört zu werden. Da in unseren Breiten klimatisch bedingt nicht mit unmittelbarer Lebensgefahr bei einem Schlangenbiss zu rechnen ist und eigentlich bei dieser Größe nur 2 Arten in Betracht kamen, hab´ ich gar nicht lange rumgefackelt und begonnen, den Burschen aus der Kiste zu fangen. Da hinten im Schatten konnte ich seinen Kopf ausmachen, wie er bissbereit und äusserts aggressiv nur darauf lauerte, mir die Nächste zu verpassen. Ganz klar. Ein schöner, guter Äskulap. Aus der Schädelgröße geschlossen schätzte ich ihn auf ca. 1m. Allright, Kamerad. Ich habe kein Problem mit dir, allerdings finde ich es gar nicht nett, wenn du aufs Herrchen schnappst, welches nur zu seinen Fischkügelchen will. Also musst du raus! Zwischen Kübeln und Säcken ist es gar nicht so leicht, den wild um sich beissenden und schnellen Kaltblüter irgendwie zu kriegen und ich muss noch ein paar harmlose Abwehrbisse hinnehmen, bevor ich das Schuppenkriechtier endlich am Schwanz zu fassen bekomme. Erst jetzt sehe ich dessen wahre Ausmasse. Ja bist du denn deppat. Der war nicht gerade klein. Das war ein gewaltiger, fetter 150er, der da jetzt vor mir baumelte und nach allem biss, was auch nur ansatzlos in die Nähe kam...
Da ich dann doch irgendwie Sorgen um meine Männlichkeit hatte, der Bursche nach wie vor nicht zu beruhigen war und ich ihn gefahrlos auslassen wollte, musste er erstmal hinter dem Kopf fixiert werden. Da gibts nur ein System. Egal ob Wassermokassin, Gabun oder eben Äskulap. Zu händeln sind alle gleich, obgleich bei beiden vorgenannten Gesellen der Thrill um einiges höher anzusiedeln wäre. Am Schwanz halten, das erste Drittel der Schlange auf den Boden legen und mit einem Ast oder Stock den Schädelteil niederdrücken. Ordentlich wohlgemerkt. Sonst hast du gleich die nächsten 2 bis 3 Anschläge. Dann nicht zögern und schnell und beherzt zupacken. Funktioniert eigentlich immer. So auch hier. Und Kollege Äskulap war alles andere als darüber erfreut, jetzt mal nicht der Jäger, sondern die Beute zu sein...

Nachdem wir ein paar Foto geschossen haben und der Futterkistenrebell wieder in freier Wildbahn war, konnte ich endlich damit beginnen, meine Karpfenpatronen ins Rohr zu laden, um den Horizont zu verdunkeln. Was ist das zur Hölle? Vogelschwärme? Riesige Insekten? Die Ostfront? Nein. Das ist der Sludge, die Futtermaschine. In Windeseile war die Ammo dort wo sie hingehörte und konnte mich auf das Eigentliche bei der Fischerei konzentrieren. Das Warten. Abwarten, zuwarten, erwarten. Nichts. Es passiert nichts. Tjo. Den ganzen Tag. Bis um etwa 21 Uhr erstmals Bewegung in den Swinger kommt und dankbare Pieper aus der Empfängerbox flüstern. Keine 5 Minuten später kann ich einen Rüssler der 4kg Kategorie abhaken und wieder in die Fluten entlassen. So. Das Blank war schon mal abgewandt. Aber das war auch schon alles. Ich erwarte mir ja ein Schwein, wie anfangs erwähnt. Traditionell essen wir auf echter Grillkohle gebratenes Tier, um uns irgendwann gegen halb11 in die Federn zu hauen. "Bis gleich! Hehe!" Der obligate Spruch erfolgt, bevor wir beide ins Land der Träume entweichen. Und dem war auch so, denn genau zur Geisterstunde zwingt uns ein kreischende Dauerton von den Liegen. Jawoi! Drucka! Vollrun! Und schon war ich wieder mittendrin statt nur dabei. Back in Action. Der Knüppel krumm, die Hirnlampe schräg über dem halben Haupt, die Bremse tackert und ergebe mich der Agonie des Drills. Live fast & die old. Und fang´ ein paar dicke Fische dazwischen. That´s all ...
Gut, das Überschwein wars jetzt auch nicht, aber dennoch ein äussert schöner und makelloser Schuppler der gehobenen SB-Klasse, der hier jetzt kurz nach Mitternacht wild grunzend auf meiner Matte lag. Yes. Na, das war doch schon mal was. Und es ist erst Mitternacht. Hehehe. "Bis gleich, Isa!" Doch das Gleich war ungefähr erst 7 Stunden später, als mich die Automotoren der soeben eintreffenden Sonntagsangler wecken. Die Swinger klebten nach wie vor in der Position, wie ich sie zur Geisterstunde verlassen hatte, ein leichter Wind kreiselte über die Wasseroberfläche und ich wußte nur Eines. Daß ich nichts mehr zu erwarten hatte. Der Morgendämmerungsbiss war ebenfalls wieder ausgeblieben, was die drohende Beissflaute zu untermauern schien. Jetzt wartet man aber natürlich insgeheim auf die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Nur damit man nachher sagen kann, daß nichts ausrechenbar ist und jegliche Hirnspalterei über das Warum sinnlos wäre. Doch ist vielleicht alles ohnehin nur Zufall? Möglich. Die wechselnden physikalischen Gegebenheiten unseres Planeten? Oder sogar die Bestimmung einer höheren Macht? Verdammt. Ich weiss es nicht. Was mir mittlerweile klar ist, ist die Tatsache, daß ich rausgehen muss, um feststellen zu können, ob die Sterne günstig stehen. Erwarten tu ich mir sowieso ein Schwein ;)
tight lines
Sludge












