Montag, Juli 18, 2011

The Nightshade Family!

Und schon war es wieder soweit. An der Buschlacke herrscht nach wie vor das "vernagelte Maul-Syndrom", also war es erneut an der Zeit die Jagd auf die Nachtschattengewächse in Sweetspring einzuläuten. Zur Abwechslung hatten wir diesmal keine Wolkenbrüche oder andere unangenehme Gegebenheiten, die den Himmel verdunkelten, keine übermotivierten Ballon-Fischer und auch kaum andere äußere Einflüsse, die den eigenen Geist zu quälen versuchten. Alles in allem konnte man sich über vorliegende Bedingungen wahrlich nicht beschweren. Die Sonne lachte vom tiefblauen Athmosphärendach, ein schmales Ostlüftchen streichelte die Baumkronen und rundherum summten die Insekten. Jawohl. So soll das sein. So kann ich leben...Ohne viel Zweifel und Herumüberlegen, wie ich denn heute zum Erfolg kommen sollte, griff ich in die gute, alte, klassische 20mm Drachenblutkiste. Es war ja im Moment ohnehin scheissegal, mit welch hochwertiger Stinkerkugel ich angreifen würde. Ob BlackPearl, Purple Dream, Dragonblood oder der neue Prototyp war zweitrangig. Location und Zeit waren der Schlüssel zum Tor in die Hallen der Drillextasen. Zumindest waren das meine Erfahrungen in letzter Zeit. Und wie wir schon gelernt haben: Nur nicht zweifeln, nur nicht die Falle nachkontrollieren. Einfach warten, hoffen und genießen. Ja, so einfach kann das sein.Wie es natürlich nicht anders zu erwarten war, konnte ich mich den ganzen Tag allerlei anderen Dingen widmen, als sich etwa ständig mit irgendwelchen Monsterfischen beschäftigen zu müssen, die in Serien in die Falle gingen. Da wechselte ich von Kreuzworträtselmarathons zu den Libellenorgien, vom Schundroman "Maddrax" zur Nahrungsaufnahme und auf der Liege, von der rechten auf die linke Seite. Ganz schön anstrengend war das Karpfenjägerleben. Zwischendurch hab´ ich natürlich immer wieder ein paar Kugeln auf die Spots geröhrt, was ja mit Sicherheit nichts schaden konnte. Es stand ja die Nacht bevor. Die Zeit, wo sich die Rüsseltiere aus ihren Verstecken wagen, um sich im Schutze der Dunkelheit die Bäuche vollzuschlagen. Jawohl. Die ultimative Theorie des Alex "Sludge" Hager...Endlich verkroch sich die Sonne hinter dem Horizont und machte einer anderen Lichtquelle Platz, die schon unzähligen Horror -u. Gruselschockern und so manch anderen düsteren medialen Erscheinungen Ausdruck verliehen hatte. Vollmond. Des Säufers Leid, des nachtangelnden Vollerledigten Freud. Das war schon fett was wert, wenn man auch ohne Hirnlampe alles halbwegs erkennen konnte, was rund um einen so ablief. Die Dämmerungsphase verlief allerdings völlig aktionslos, was mir langsam aber sicher meine positiven Gedankengänge vergiftete. Sollte meine Theorie abermals für den Gully sein? Mittlerweile war es stockdunkle Nacht, der Erdtrabant stand bereits weit über den Windturbinen, die mir mit ihren roten Lichtern stets einen sehr guten Anhaltspunkt liefern. In der Zwischenzeit war scheinbar auch die gesamte Stechmückenpopulation der nördlichen Hemisphäre aufgebrochen, um sich am Lebenssaft der arglosen Warmblütler zu laben. Wieder mal absolut grenzwertig. Aber bitte. 22 Uhr. Obligat beschäftige ich mich um diese Zeit mit den Resten der Glut im Grill, verheize ein paar trockene Ästchen und erfreue mich am Züngeln der Flammen. So ein kleines Feuerchen hatte schon was ganz Eigenes. Wahrlich entspannend. Es knistert, knackt und wie durch Geisterhand werden hin und wieder ein paar Funken in die Höhe gezogen, um dort ansatzlos von der schwarzen Luft absorbiert zu werden. Und wie ich so langsam aber sicher in einen tranceähnlichen Zustand verfalle und mich im visuellen Wurmloch der Glut zu verlieren scheine, bricht plötzlich die Hölle herein. Von einer Sekunde auf die andere. Brutalabzug an der linken Rute. BRRRRRRRRRRR! Tief und böse trällert die Delkim-Funkbox am Tisch und knattert ihr Lied vom Vollrun. Na endlich! Mit wenigen Sätzen bin ich beim Stock und befinde mich darauf ansatzlos im Kampf. Ja, bist du denn deppert. Der Knüppel ist krumm, die Bremse schnurrt und im Schein des Vollmondes entbrennt eine epische Schlacht."Oidaaaaaa, der gibt sche Gas!" Ohne den Funken einer Chance, vor allem ohne einen Ausstieg zu provozieren muss ich meinen Widersacher gewähren lassen. Der zieht von rechts nach links, von links nach rechts. Bis es endlich soweit ist, daß auch die andere Rute Kontakte signalisiert. Verdammt. Jetzt hat mir der Saugdepp die andere Schnur gefangen. Nur nicht hudeln, nur nicht nervös werden. Gekonnt fädle ich Stock Nr. 1 unter dem anderen durch, um sogleich den Drill wieder aufnehmen zu können. Scheisse herst! Wieder zappelt der Swinger der passiven Waffe. "NAAAAA!" Ich hab´die krumme Rute falsch rumgefädelt. Natürlich ist der Verwickler mit der anderen Leine noch ärger als zuvor. Doch dem Rüssler sind meine lächerlichen Probleme am Ufer völlig egal, denn der gibt nach wie vor Gas, als wenn sein letztes Stündlein geschlagen hätte. Ich versuche natürlich im Schweisse meines Angesichts die Schnüre erneut zu entwickeln, fädle wie wild den aktiven Stock hin und her und mache alles nur noch schlimmer. " I DRAH DUACH!" Mittlerweile kann sich auch die Isa das grausame Schauspiel nicht mehr ansehen und eilt mir zu Hilfe. "So i scheiss drauf. Pass auf. Du nimmst die andere Rute auf, kurbelst die Schnur auf Spannung und wir schauen an der Leine entlang, wie da wo was vermangelt is. Bevua wir den Fisch verlieren, hoitst du des Schnirl und wir schneiden die passive Montasch o, de ma daun mit de Händ einezahn, während i den Göben ohne Bresln weidadrün kau." Alles klar. Wir waren uns einig. In der Theorie war das eine leichte Übung, doch in der Praxis sah die ganze Geschichte dann doch etwas anders aus. Man konnte nämlich kaum erkennen, welches jetzt die korrekte Leine war, an der der Rüsselfisch fightete. Logische Schlussfolgerung: Bevor wir die Falsche kappen, probieren wir es lieber anders. Hauptsache die Isa hält weiter die andere Leine auf Spannung und kurbelt nach, wenn es notwendig ist. Und wirklich wahr. Wir schaffen es tatsächlich, den wilden Saugdeppen zu bändigen und ihn endlich einzunetzen. Doch was da jetzt plötzlich aus den Keschermaschen entgegenleuchtet, lässt meinen Schweiss am gesamten Körper durch die innerlichen Adrenalinschübe ansatzlos verdunsten. Ich packe es nicht. Spiegler. Mir fehlen die Worte...12,90kg feines, graues, unbekanntes Spiegelschweinchen. Der erste Glatte in Sweetspring im Jahre 2011. Ein absoluter Jackpotfisch. MUAHAHAHAHAH! Jeglicher Drillärger ist vergessen, jede verfuckte Gelse, die mich währen der Fotosession nagelt, vernachlässigbar und jeder Unmut über etwaige Wertlosigkeiten in den interstellaren Raum verbannt. JAWOI! Wie geil war das jetzt. Spiegler vastehts, SPIEGLER! ;) Nachdem die graue Eminenz entlassen war, wurde man sich auch des Stechmückenproblems wieder bewusst und tat gut daran, sich beim Neumontieren nicht allzu viel Zeit zu lassen. Immerhin wollte ich ja noch so viel Saft besitzen, daß ich es problemlos ins Zelt schaffen würde, noch bevor mich der Blutverlust in die Knie zwang. Klugerweise hatte ich die Bushman-Antimoskito-Macht daheim vergessen. Tjo, wer nicht denken will, muss leiden...Unerklärlicher Weise hab ich es dann doch geschafft, den Blutsaugerschwärmen zu entkommen, um mich in unserer geschützten Behausung in Sicherheit zu bringen. Noch immer hallte es in meinen mentalen Gehörgängen, wie aus einer anderen Welt. Spiiiieeegleeeeerrrrr! Muahahaha. Jooooo. Und Zweistellig. No mehr JOOOOOOOO! Ziemlich genau um Mitternacht, also zur vielzitierten Geisterstunde schellt es erneut aus der Funkbox und zwingt mich raus an die Wasserkante. Interessanterweise waren nun alle Mücken wieder entschwunden, was den Drill um einiges angenehmer gestaltete. Noch dazu gab es diesmal keine Schnurstrickereien oder ähnliches, sodaß ich kurz darauf einen halbstarken Schuppler problemlos ins Landenetz bugsieren kann. Ja, jetzt waren sie da, die Nachtschattengewächse...Gegen 2:30 bimmelt erneut des Karpfenjägers Wecker und ich hab´das nächste Rüsselschwein am Band. Erneut gibt es abermals keine Schwierigkeiten und ich kann im Mondschein den Kampf mit Saugdepp Nummer 3 wirklich genießen. Nicht die leichteste Brise fegt übers Wasser, das fahle Licht taucht die Umgebung in ein unwirkliches Blau und du kannst mit einem leichten Lächeln im Mundwinkel genauestens beobachten, wie deine Schnur durch die spiegelglatte Oberfläche schneidet. SSSSSSS. Ausser dem "Schnittgeräusch", dem leichten Ächzen im Rutenblank und das unregelmässige Tacken der Bremse ist nichts zu hören. Kein Vogel, kein Frosch, kein Insekt. Nur du, die Schotterlacke und der Gelbe am Ende der Leine. Reduziert, auf das im Moment Essentielle...Schon kann ich U-Schwein Nummer 3 in die Kamera halten und mir selbst im Geiste auf die Schulter klopfen. Da hat mal wieder alles gepasst. Meine ausgefeilte Spezialtaktik ist vollkommen aufgegangen. Der Spot, das Futter, der Köder, das Rig. Nicht zu vergessen meine Selbstbeherrschung im Bezug auf das "Nicht-Nachtkontrollieren"! Bist du deppat. Bin i guad. Andere würden vielleicht behaupten, ich habe einfach mit einem 08/15 NoKnot, eine stinknormale 20mm Kugel in die Ferne geblasen, dazu gefüttert und gewartet. OK. Ich geb´s ja zu. Man kann das auch von der Seite sehen. Nur wie zur Hölle, soll ich dann zu meinem gesunden Selbstbewußtsein kommen? Ja genau, da bleibt dann nur mehr eine Goldmünze für den Fährmann aufzuheben, der einen über den Acheron bringt. Richtung Hades versteht sich.Ohne weiteren Schlafstörungen war der neue Tag angebrochen, die Ostbrise war wieder leicht aufgefrischt und die Sonne strahlte erneut vom azurblauen Himmel. Das Erste, was ich nach meiner morgentlichen Blasenentleerung mache, ist die SLR vorzufingern, um mich am Spiegelschwein der vergangenen Nacht zu ergötzen. Jaaaa. Es war kein Traum. Hehe. Feine Sache. Auch wenn heute nichts mehr ging, was untertags ja zu erwarten war, konnte wohl kaum Etwas meine überaus gute Laune trüben. Ach, war das Leben nicht schön. Carpe diem. Was so ein verdammter, fast schuppenloser Fisch bewirken konnte, war fast schon parapsychologisch abzuhandeln. Na, da reiss´ma doch glei mein eiskoidn Trink-Kakao auf! Ich lege die Kamera auf die Seite, öffne den Reissverschluss der Kühltasche und wie ich zum braunweissen Objekt der Kehlenbegierde greifen will, höre ich die Isa aus dem Zelt rufen. ALEEEEX! Instinktiv wandert mein Blick zu den Ruten und schon sehe ich die linke Mühle ablaufen. Drucka! Ich habs nicht gehört, weil die Funkbox noch in der JRC Burg neben meiner Liege rumkugelt. Nichts wie hin. Und das bei Tageslicht. Org. Das war wohl wieder mal die sogenannte Ausnahme, die die Regeln bestätigten. Na mir soll es recht sein. Und abermals ist nach Kontaktaufnahme klar, daß erneut eine bessere Sau eingestiegen ist. UH UH UH! Schon grunzt der Sludge am Ufer den Schweinealarm. Bezüglich der Fischdurchschnittsgröße in Sweetspring durfte ich mich dieses Jahr alles andere als beschweren. Da bin ich wahrlich der Prinz auf der Butterseite des Pausenbrotes. GONG! Schuppler Nummer 3 kuschelt sich in die Anaconda Schiffsmatte. Den kenn´ ich. Diese verwachsene Schwanzflosse samt Mutanten-Extrastrahl ist nicht zu übersehen. Nur so fett und bullig war mir der Bursche nicht in Erinnerung geblieben. Der stand wirklich gut im Futter, was berechtigterweise positive Hoffnungen schürte. Geiles Gerät, der Rüsselfisch.Ja schön und klug musste man offensichtlich nicht sein, um erneut zu 4 feinen Saugern in nicht mal 36h zu kommen. Mich hat es dann aber auch nicht im Entferntesten gestört, daß ich mich den restlichen Tag wieder mit Brutalfressenwind, Libellenpornos, Kreuzworträtseln und unterschwelligen Geschichten aus der Endzeitwelt auseinander setzen musste. Da gibts mit Sicherheit Schlimmeres ...
tight lines
Sludge