Es gibt so Dinge und Gegebenheiten im Leben, wo man sich wirklich ernsthaft mit der Frage beschäftigt, ob es auch nur einen Funken Gerechtigkeit auf diesem vermaledeiten Planeten in der Unendlichkeit des Weltalls gibt. Situationen, wo man bei genauerem Nachdenken an den Rand des Verzweiflungsmeeres getrieben wird. Arien könnte ich aus dem Fenster brüllen. Ob das nun die Menschen vor meinem Haus auch so tragisch finden, wage ich allerdings zu bezweifeln. Sei´s drum. Wir alle, oder zumindest die meisten meiner regelmäßigen Leser kennen den Probanden, mit dem ich des Öfteren fischen bin, da er beide Heimgewässer mit mir teilt. Ob Fluch oder Segen sei dahingestellt...
Ja genau. Der Eiserne. Alias Urukai, steirischer Eichelhäher & Buschmeersau. Kurz und schlicht: Der Willi. Eigentlich ein lieber, vielleicht etwas "eigen" erwachsener, grobschlächtiger Kerl, welcher die Herkunft tief aus den nordsteirischen Wäldern nicht wirklich verbergen kann, obwohl er wohl alles tut, um in der Welt der Menschen integriert zu wirken. Als Mutant hat man es halt verdammt schwer. Ich mag ihn aber irgendwie und so hab ich mich ihm angenommen. Aber ich mag ja auch den Jabba de Hut aus Star Wars, den die wenigsten lieb finden. Egal. Und so kam es, daß ich ihm voriges Jahr, eben als barmherziger Samariter und Kryptopsychologe, des Öfteren das Gefühl gegeben habe, er könne was von seinem schmalen Wissen bezüglich der tief mystischen Karpfenangelei an einen noch Ahnungsloseren weitergeben. Der ging natürlich auf in seiner Sensei u. Ältesten-Rolle und es war schön mitanzusehen, wie er sich drüber freuen konnte. Zwischendurch habe ich natürlich immer ein wenig gebockt, da es sonst zu auffällig gewesen wäre. Da hätte selbst die Ernussflocke in des Urukais Kürbis Alarm geschalten. Unterschwellig wurde natürlich in der Zwischenzeit echtes Wissen von mir an ihn weitergegeben und die Tatsachen so verdreht, daß er dachte, er wäre auf die glohrreichen logischen Ideen gekommen. Jaja, so war ich. Ich nahm ihn an der Hand und führte ihn zum Erfolg, während ich ihm nebenbei allerhand Dinge beibrachte, die nicht völlig wertlos waren. Das Essen mit Messer und Gabel in etwa, um nur ein Beispiel zu nennen. Noch dazu hab ich extra wenig gefangen, damit ja sein Selbstbewusstsein keinen Schaden nahm. Er sah zwar grobschlächtig aus, war aber äusserst leicht aus der Bahn zu werfen. Ein Jahr hab ich ihm gegeben; hab ihn gewähren lassen. Ein Jahr genügt im Normalfall bei solch hartnäckigen Fällen...
Dann kam 2011. Schluss mit Lustig. Dies würde das Jahr seiner nächsten Lektion werden. Wir lernen das Untergehen. Nein, nicht im Wasser, das konnte er schon, sondern im obligatorischen Strudel der Vernichtung. Ja, sehr richtig, auch dies muss man beherrschen. Was logischerweise folgen musste, war dann die Tatsache, daß ich Ende Mai eine Karpfengalerie hatte, bei der er heute noch mit den Knien unterm Tisch scheppert. Hatte ich übertrieben? Hatte ich ihn zu sehr in der Pfeife geraucht? Nein. Sicher nicht. Hab ja extra wieder keine Überschweine einfahren lassen. Sonst geht mir der gar nicht mehr fischen. Und das wäre ja in meiner Aufgabe als Entwicklungshelfer wahrlich kontraproduktiv. Er soll ja was lernen, der Bub. Wie bereits erwähnt, war es wirklich ein Frühjahr, über das ich mich nicht beschweren konnte, lediglich auf der Schottergrube Sweetspring lief es keineswegs so, wie ich mir das vorstellte. Aber niemand Glaubwürdiger konnte von exzessiven Fängen erzählen. Es lief überall zäh. Warum, konnte wohl niemand erklären. Naja. Niemand nicht. Der Willi natürlich. "Wäu ihr olle auhnungslos sads!". Na genau. Und ich in meinem an Naivität grenzenden Wahnsinn fordere den mönströsen Eichelhäher heraus, weil ich mir sicher bin, daß auch er keine Wunder vollbringen kann. Ich kann nur gewinnen: "Na daun geh hi und zag ma wies geht, Gscheida!". "Muahhahaha Knilch - i werd di zerquetschen wie a Laus!". Auf das hinauf begibt sich der Meerschweinchen-Willi nach Zuckerbrunn und haut dort in 3 Tagen mehrere massige Rüsselfische auf die Matte und zeigt mir wie es geht. Einfach so. Tjo. Das sind genau die Momente, womit ich anfangs höllenspekulative Denk-Situationen gemeint habe. Des gibts doch ned, oder? Der reisst das Maul auf, knotzt sich zum ersten Mal 2011 dort einfach hin und hebt ab, wie wenn es kein morgen gäbe. Ich, der arme beinharte Swampjack habe mir den Arsch nächtelank blank gesessen und wurde kaum belohnt. Und das war dann noch der garstige Dank für meine ständigen Bemühungen, ihn ins Licht zu führen -> Doch lest selbst... i sog nur Zwergrattler .
So. Was mach ich jetzt? Ich kann mich wimmernd daheim hinterm Ofen verkriechen und von der bisherigen Buschssaison träumen, oder ich kann rausgehen und mir zurückholen, was zu Rechten mir gehört. Die imaginäre Herrscher-Krone des Wassers. Lustigerweise schienen da plötzlich heroische Aufgaben von Odysseus oder anderen fahrenden Sagengestalten wahrhaft lächerlich im Vergleich zu meiner Aufgabe. Ich wußte nämlich im Vorhinein, daß das in Anbetracht der bisherigen Fänge eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit war. Unmöglich. Schon wieder dieses Wort. Mit meiner allseits bekannten Robin-Hood-Attitude gibt es wohl nur eine Lösung. Ich reiss ebenfalls das Maul auf und fahr raus, um der Ungerechtigkeit den Garaus zu machen. Zum Verlieren hatte ich nichts mehr. Vielleicht konnte ich wenigstens mit ein paar halbstarken Bären die Schmach und Pein lindern, die mir garstigerweise vom Eisernen zugefügt wurde. Der erste Tag verlief, wie erwartet, ohne einen einzigen Pieper. Ich hab gefüttert, daß die Tür nicht mehr zugeht und harrte in der Hoffnung aus, daß früher oder später die U-Schweine meinen Futterplatz finden mussten. OK. Auf rund 28ha muss das nicht unmittelbar bald sein. Die einzige Wohltat war das Wissen, daß beim steirischen Mutanten ebenfalls Sendepause herrschte, seitdem ich am Wasser war. Hehe. Wenn ich schon die Kretze hatte, sollte sie er zumindest auch haben. Boshaftigkeit? Naaaaaa. Sicher nicht. Einfach der instinktive Wunsch nach Gerechtigkeit. Gegen 21 Uhr lief plötzlich das erste Mal die Mühle ab, ein minutenlanger Drill erfolgte in der Euphorie, gleich das erste feiste Rüsselschwein fett grinsend in die Kamera zu halten und dem Eisernen am anderen Ufer gleich mal ein nettes Revenge-SMS rüberzuschicken. Die Isa fotografiert, ich pose mit gekrummten Stock im Blitzlichtgewitter des gleich eintretenden Triumphs. Bis von einer Sekunde auf die andere das eintritt, was mental den wahren Alptraum bedeutet. Zack! und ausgestiegen. Seltsamerweise bin ich äusserlich völlig ruhig, während in meinem Inneren eine epische Schlacht tobt. OIDA, warum nur imma i? Des is afoch ned fair. Mir scheissts echt nur eine do ... oba worte, aufgeben tua i an Briaf. Nachdem die Isa und ich dank Feuer und Grill vorzüglich gespeist hatten, gings in die Liegen. Kein einzelner winziger Kontakt an den Piepern, bis ich endlich im Land der Träume war. Tiefschlafkategorie bis halb3 morgens. Dann bricht die Bissorgie herein. Die Saugdeppen waren soeben auf meinem Futterplatz eingefallen, denn bis 8 in die Früh mache ich kein Auge mehr zu. Zirka alle 45 Minuten bis zu einer Stunde tappt ein weiterer Gelber in die Falle. Keine Monster, aber für SB einige wahrlich gute Exemplare ... na geht jo eh.








Der übrige Tag verlief wieder mal völlig ohne weiteren Kontakten und so packten wir am Nachmittag unsere Sachen und traten die Heimreise an. Jawohl. Also ordentlich füttern schien sich jetzt schön langsam wirklich auszuzahlen. Bevor ich in die Karre stieg, um Richtung urbane Behausung zu düsen, hab ich natürlich noch eine feste Kugelladung versenkt, da ich wusste, daß ich gemeinsam mit meinen Dad in den nächsten Tag wieder hier war. Schaden konnte das ja mal auf keinen Fall. Gesagt, getan und schon stand ich wieder am Ufer und röhrte abermals Murmelladungen auf die Distanz. Mittlerweile müsste ich am rechten Arm eine Schultermuskulatur wie der Stonecold Steve Austin haben, doch ausser dem Gefühl war nichts Vergleichbares auszumachen. Der Eiserne war bereits seit einigen Tagen wieder daheim und rieb sich vermutlich immer noch die Hände über sein verdammtes Glück. Ich muss weiter zurückschlagen. Keine Schmerzen Tigerauge, keine Schmerzen. Murmel auf Murmel bahnt sich den Weg durch die Lüfte. Der hinterhältige Mutant darf nicht siegen ... niemals.






Tja, was soll ich euch sagen. Heute hatte ich gemeinsam mit Dad 4 Fallen am Grund und es tat sich ebenso wenig. Nada. Kein Pieper. Kein Zupfer. Kein Rutenspitzenwackeln. Vorerst waren die klimatischen Bedingungen wirklich von der ordentlichen Sorte, welche sich aber im Laufe des fortschreitenden Tages kontinuierlich verschlechterten und eine unruhige Nacht vermuten ließen. Noch dazu drehte der Wind, so daß wir ab nun die volle Batterie in der Fresse hatten. Bei geschätzten 80km/h wirklich nicht so spaßig. Zumindest waren bis jetzt die angekündigten Gewitter ausgeblieben, was schon mal als äußerst positiv zu werten war. Der Sonne verschwand still und heimlich hinter dem Horizont und die ersten besorgniserregenden, dunklen Wolken rückten unaufhaltsam heran. Jederzeit musste es losgehen. Schweres, tiefes Donnergrollen rundet die Kulisse vom herannahenden apokalyptsichen Weltuntergang perfekt ab. So saßen wir am Feuer und erfreuten uns noch so lange an der Glut, wie es eben möglich war. So wie der Willi eben bis zu dem Tag, wo ihn ein Wanderzirkus entdeckte und ihn auf einem Rummelplatz in Schwechat als Sensation darbot. Hässlich. Ich sags euch. Ich hab´ zB. den Elefantenmenschfilm damals auch schon nicht lustig gefunden. Drum mag ich solche Freakshows eigentlich auch nicht unbedingt. Aber jetzt war er schon mal hier, also durfte man auch nicht so verständnislos sein. Und wie ich wieder mal so nachdenke, was ich ihm nicht Gutes tun kann, gibt Meister Delkim laut. Vollrun. YES! Der Stock ist krumm, die ersten Blitze sind in weiter Ferne am dichtbewölkten Nachthimmel auszumachen und ich gehe auf, in heroischer Drill-Extase. Gong! Schon liegt der erste Brummer der Torpedo-Klasse vor mir auf der Matte.Jawoi! Sie sind wieder da.


Nachdem Kollege Schuppenbrett wieder in den Fluten war, das letzte trockene Holz verheizt und alle Montagen wieder scharf auf ihre Abnehmer warteten, ging es erneut zur Nachtruhe. Irgendwann mitten in der Nacht ging es dann wirklich los. Brutalregen, Sturmböen, knatterndes Zeltmaterial, Äste schlagen auf die Behausung, ständige Meldungen aus den Funkboxen, weil es die Rutenspitzen mittlerweile reisst, als würden vermeintliche Fischerhelden Angelstöcke im Geschäft auf ihre Parabolik testen. Na bist du deppert. Dad und ich hoffen nur Eines. Bitte lass die Hütte stehen. Eine Stunde kübelt es vom Himmel, bis von einer Sekunde auf die Andere plötzlich wieder Totenstille herrscht. Es tropft nur mehr von den Bäumen, kein Lüftchen regt sich und alles wirkt so, wie wenn nie was gewesen wäre. Eine ganz eigenartige Stimmung lag überm Wasser und just in dem Moment, als ich den Reissverschluss des JRC-Burg öffne, um die Ruten nach dem Unwetter zu kontrollieren, läuft die linke Mühle ab. Muahahahah. Sludge is back. Bei plötzlich traumhaften äusseren Bedingungen raus, den Stock aufnehmen und genießen. Und erneut weiß ich ansatzlos, daß wieder mal einer der Dickeren eingefahren ist. Hehe. Jaja Eiserner. So leicht ist der Hobbit nicht zu vernichten. Bingo. Alles geht glatt und ich kann ein wahrlich geiles Schwein einnetzen. Muahaha - die dunkle Macht ist wieder da.
Mein zweitbester Fisch aller Zeiten am Schotterloch Sweetspring. Unpackbar. Als hätte er auf mich gewartet, bis der Regen und das Unwetter vorbei waren ... passt. Gibts doch noch einen Funken Hoffnung auf Gerechtigkeit? Etwa 2 Stunden später regnet es abermals wie aus Kübeln und ich kann den Drang meine Blase zu entleeren nicht mehr zurückhalten. Ich versuche es krampfhaft seit einer halben Stunde, macht aber im Endeffekt keinen Sinn, wenn der Regen in der Zwischenzeit nicht aufhört. Ich muss raus. Erneut passiert das nun schon Unglaubliche und machte mir bereits selbst etwas Angst. Genau als ich beim Retourweg zum Zelt an den Ruten vorbeikomme, wird die Leine von der Rolle gerissen und ich stehe zum 3ten Mal mit ächzendem Stock und knatternder Bremse am Ufer. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß genau dann der Biss kommt, wenn du irgendwann mitten in der Nacht genau vor den Ruten stehst, weil du pisssen musstest? Wie hoch? Ich bin kein Mathematiker, aber mit Sicherheit ultimativ unwahrscheinlich. Der dunklen Macht gedankt, gibt es wieder keine Schwierigkeiten, die nächste Rakete in den Kescher zu bugsieren. Da konnte mich auch der Killerregen nicht aufhalten. Der Fisch liegt auf der Matte, die Lichtkegel unserer Stirnlampen schneiden durch die Regennacht wie Laserschwerter im Hoth-System und da läuft plötzlich Dad´s rechte Mühle ab. Muahahahah. Jetzt waren sie da. Der hebt auf, kurzer Ruck in der Rutenspitze ... weg. Fuck! Vermutlich einer der unzähligen Welse, die seit geraumer Zeit ihr Unwesen treiben und auch vor Karpfenmurmeln nicht Halt machen. Die Kleineren vor allem. OK. Schnell wurde ein Foto von meinem schwimmenden Einbahnschild geschossen, um alles flink unter Dach und Fach zu bringen und schnell wieder in die Behausung zu kommen. So schön wars ja grad nicht draussen.


Nach dieser Doppelaktion, hatte weiters nur mehr Dad einmal Kontakt im Todesgewitter, der leider auch nicht positiv verwertet werden konnte. Ja, der war auch nicht gerade vom Glück verfolgt. So brach langsam die sonst sehr fängige Morgendämmerung heran, wo sich heute allerdings gar nichts rührte. Wieder mal alle Logiken für den Anus. Heute so, morgen so. Du kannst es wirklich nie sagen. Tja. Typischerweise tat sich ja, wie gewohnt untertags sowieso nichts und so hatte ich wieder etwas Zeit mit der Kamera am Boden rumzukriechen, um mich an dem fantastischen Leben des Kleingetiers zu erfreuen. Die ärgste Show war natürlich, als ich zu meinem Dad gesagt habe, er soll mir eine Mutantengrimasse machen, da ich´s für den Bericht benötigen würde. Absoluter Wauhnsinn. Danke an dieser Stelle, daß du wirklich bei jedem Unfug dabei bist! Ich hab Tränen gelacht :)
Mittlerweile war auch das Mutanten-Shooting vorrüber und wir hatten bereits nach Mittag. Die ersten Anrufe trudelten ein und kündeten von gar argem aufziehenden Höllenwetter. Schlimmer und böser als je vurvor. Hmm. Was machen wir? Sitzen wir es noch eine Nacht aus? Ich weiß nicht. Nein, es zahlt sich wirklich nicht aus irgendwas zu riskieren. Wir brauchen nichts mehr beweisen. Und wie es der Teufel so will, fange ich gerade an, die ersten Sachen zu packen, als urplötzlich meine Funkbox trällert und der Swinger am Blank klebt. Vollrun. Und das am hellichtem Tage. Wo ist da jetzt die Logik des Fischzuges? Wo? Da wird wieder mal kristallklar. Du kannst dir gar nichts ausrechnen. Gar nichts. Nicht mal die Wahrscheinlichkeit des Urin-Bisses mitten in der Nacht. Egal. Vergessen sind die Sorgen eines eventuellen Ausstieges des Gegners am anderen Ende der Leine. Ich kann sehen wo die Schnur ins Wasser geht. Welch ein Luxus. Ja und wenn es läuft, dann läuft es eben und schon kann ich Schuppentier Nummer 4 einnetzen. Ich kacke beim Schlafen und werde nicht dreckig ...
Jetzt, wo ich zum 4ten Mal dumm in die Kamera grinsen konnte, war ich mir sicher, daß es den Eisernen daheim zusammenkrampfen würde. So Voodoo-artig eben. Telepathische Folter sozusagen. Du warst frech, also musst du Buße tun. Nachdem das Rüsselschwein wieder in den Fluten war, packten wir unseren Tand und fuhren nach Hause. Ich war keine 5 Minuten auf der Autobahn, als der schlimmste Regenguss hereinbrach, den ich in meinem Dasein erlebt hatte. 30km/h Höchstgeschwindigkeit war das Maximum und du konntest dich nur mehr an den Lichtern des Vordermanns orientieren. Der Hammer. Was war ich froh, jetzt nicht mehr am Wasser zu knotzen. Wie ausgerechnet. Das nächste ultimative Glück hatte ich dann damit, daß ich ansatzlos einen Parkplatz daheim vorm Haus gefunden habe und von einer Sekunde auf die Andere wieder die Sonne vom Himmel strahlte. Gerade so, daß ich mein Tackle eben nicht kilometerweise im Brutalregen in die Wohnung schleppen musste. Idealst. Ja, ich bins. Der Gesegnete. Ich habe die Macht, den Willen und jetzt auch noch erste Anzeichen von Gerechtigkeit. Unbelievable...
Nein. Das Wochenende rückt heran. Soll ich ihm noch eine drübergeben? Zu Fleiss noch ein paar Unterwasserschweine ans Westufer zwingen? Bloss so? Bin ich so bösartig? Hatte er nicht ohnehin schon genug? Hmm. Ist doch gerade meine Barmherzigkeit in aller Munde und an meinem Uferabschnitt werde ich schon als die Mutter Theresa der Karpfenfischerei gehandelt. Bin ich wirklich so grausam? In Anbetracht der Tatsache, daß der Urukai ja eigentlich kein Mensch sei und ich ihn somit nicht an normalhumanoiden Gegebenheiten messen konnte? Ach was, der würde schon was vertragen. Wenn er das nicht wegstecken konnte, würde er wohl nie die Phase 3 erreichen. Natürliche Auslese eben. OK, ich schenke ihm nach...

Schon klebte ich abermals mit der Isa an den sagenumwobenen Ufern der Schottergrube und zu meiner hellen Freude war auch die Ballon-Gäng wieder vor Ort. Eine ultimative Spezialangeltechnik, die sich in letzter Zeit bei den Raubfischjägern absoluter Beliebtheit erfreut. Die lassen sich die Köderfische mit aufgeblasenen Luftballons durch den Wind auf Distanz ziehen. Im Grunde keine schlechte Idee ( wenn auch schon vor Jahrzehnten erfunden ), allerdings hat die Sache einen kleinen, nicht zu unterschätzenden Nachteil. Ja genau, der Wind muss natürlich genau aus der Richtung kommen, wie man ihn auch braucht und wie wir alle wissen, ist Gevatter Blasius der Letzte, der sich an irgendwelche Wünsche klammert. War immer wieder ein netter Ritt auf der Mentalachterbahn, wenn dein Köder seit 5 Stunden unberührt am Futterplatz lag und du plötzlich kurz vorm Herzinfarkt stehst, weil dich der feinste Fallbiss aus der Wartetrance holt. DRUCKAAAA! JOOOOO! Im Adrenalinrausch hin zur Rute, den Stock von den Banksticks reissen, nur um kurz darauf feststellen zu müssen, daß dich der Räuberkollege mit seiner Montage gefangen hat. Oida. Wie wenn ich´s nicht angesagt hätte. Eine Nervenprüfung sondergleichen. Aber der Sludge ist nicht dumm und lernt aus dem Unfug der Anderen. Erblicken meine Äuglein bunte, lustige Ballons am Wasser, fische ich gleich mit abgesenkter Schnur um mir jeglichen Ärger zu ersparen und meine Chance auf einen Biss zu wahren. Captive Backlead ist bei diesen Gegebenheiten das Zauberwort und ich hab´meine Ruhe.
Ausgerüstet mit dem Willen, das mentale Rückgrat des Eisernen nun endgültig zu brechen, füttere ich abermals die Hölle heiss und harre auf die Bissorgien, die spätestens in der Nacht erfolgen werden. Das war die letzten Male noch immer so. Äusserlich waren heute die Bedingungen etwas wechselhaft, was aber mein Selbstbewusstsein in keinster Weise gefährdete. Ich wußte ja, daß ich auf der Überholspur bin. Trotz Pygmäenwuchs und schwerster Geisselung vom Eisernen. Ich werde ihn vernichten. Zu nordsteirischen Staub zermahlen...



Bisslos brach die Abenddämmerung herein. Logisch, oder? Untertags fressen sie bei mir nicht. Der mittags vom letzten Mal war ein eindeutiger "Streuner", der sich nicht an die Regeln gehalten hatte. Doch noch während wir am Feuerchen saßen und die Isa ihre letzten Marshmallows grillte, durfte ich gezwungermaßen zu den Ruten starten, da das erste Riesenschwein meine 24er Dragonblood-Murmel inhaliert hatte. YES. Eiserner, die Zeit deines endgültigen Untergangs ist gekommen. Ich hebe ab, der Stock geht in die Krümmung und ich habe die Sau am Band. Der pickt. Joooooooo. Und guuuuute Kategorie. Ein obligat nächtlicher minutenlanger Invisible-Drill erfolgt, bis ich erneut im Lichtkegel der Stirnlampe die schlaffe Leine von der Rutenspitze zum Wasser ernten muss. Weg. Ausgestiegen. Dejavue. NAAAAAAAAA! WARUM? OIS IS GEGEN MI! Gibts do eigentlich ka Gerechtigkeit? Verdammt, aber was solls. Die gute bissige Zeit kommt erst und die Isa konnte weiter ihre Marshmallows braten...
Eigenartigerweise war es plötzlich glühendheiss im Schlafsack und im Zelt, als ich wieder die Augen aufmachte. Nach kurzem Realisieren war es klar, warum. Immerhin hatten wir bereits 9 Uhr morgens und die Sonne knallte mit einer unbarmherzigen Härte auf die dunkelgrüne Behausung, um alles zu garen, was sich in ihr befand. Und das war nur mehr ich. Die Isa war schon seit langem wach und ich musste jetzt erst langsam draufkommen, daß ich die ganze Nacht durchgepennt hatte, ohne auch nur einmal von einem Mörderrun geweckt worden zu sein. Nichts. Kein Pieper. Soviel abermals zur Logik der mystischen Karpfenfischerei ;)







Tja. Den Tag hab´ich wieder mal damit verbracht in Selbstmitleid zu zerfließen, am Boden rumzukriechen, um mich mit dem Fotografieren von Kleingetier abzulenken und sinnbefreite Kreuzworträtsel zu lösen. Denn gefangen hab´ich natürlich nichts mehr. Ist ja logisch während des Tages, oder nicht? Hauptstadt der Malediven - 4 Buchstaben. MALE. Nordsteirisches Missing Link mit 12 Buchstaben/ 2 Wörter ... der Erste nun ein M, der Letzte ist ein i. Hmmm. Na gaunz klor - MEERSAU WILLI ;)tight lines
Sludge




















