Freitag, Mai 20, 2011

Exorzist!

Wir haben Es. Die Bestie in ach garstiger Gestalt. Den Grund allen Übels, den sicheren Träger des Fluches und den okkulten Verpester unseres Krüppelbaumspots. Von der obligaten einbeinigen, zahnlosen Schamanin bei Vollmond zusammengebastelt, durch nuschelnde Stimme gewispert mit uralten Zauberformeln belegt, um das Ding schlussendlich dem seelenverlorenen Auftraggeber zu überreichen. Dunkle Zungen flüstern hinter vorgehaltener Hand, vor einigen Zeiten des Öfteren einen grobschlächtigen, steirisch/schwechater Urukai in manch einschlägigem Zelt des fahrenden Wanderzirkus verschwinden gesehen zu haben. Mit dem Rad und so einem seltsamen Anhänger soll er immer gekommen sein. Aber die alten Leute reden viel. Ich mag mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und eventuell zufällige Gemeinsamkeiten zu unserem Eisernen entdecken. Obwohl?!... er ist die Pest selbst. Wie leicht hätte er es in der Vergangenheit gehabt. Ein paar Haare hier, der Fetzen eines persönlichen Kleidungsstückes da, ein paar Mürzer Phrasen in tiefsteirisch gesprochenen Wald-Zungen; und schon haben wir die Voodoo-Scheisse am Hals. Egal. Damit war nun Schluß..."Ned Alex, ned greifs au - daun geht des vielleicht auf di über!" Scheiss drauf. Ich kann es. Mit der eigenen dunklen Macht neutralisieren. Nur so kann es gehen. Gemeinsam mit dem Horst, habe ich es dann doch geschafft, den verseuchten Träger des schwarzen Fluches ans Ufer zu zwingen, das noch immer gefährliche Allerheiligen-Totengesteck blitzschnell am Genick zu packen und der Bestie im Angesicht der Apokalypse gnadenlos den Teufel auszutreiben. Alex "Exorzist" Hager. Yes. Zum Mahnmal aller etwaiger Wiederholungstäter wurde es von mir am nächsten Baum trappiert um Kunde von der Chancenlosigkeit gegen den Sludge zu zelebrieren. Jojo Auftraggeber, schau dir dein Püppchen nur an, wie es da nun leblos zwischen den Ästen vegetiert und von Ameisenhorden in Millionenstärke als Lokus benutzt wird. Wie es von primitiven Insekten zerlegt, benutzt, gefressen und wieder ausgeschissen wird. Da ist sie hin, die finstere Voodoo-Macht. Zerschellt an der dunklen Aura des mächtigen Pygmäen-Königs. Kaum war die Gefahr erkannt, bezwungen und vernichtet, haben wir gefangen.
Logisch irgendwie...Nachdem der Hörstman und ich befriedigt nach Hause gefahren sind, habe ich abends noch mit der steirischen Eichel via Skype kommuniziert. Was so wo gegangen sei, wie die Witterung war, Wassertemperatur blabla. Der wollte sicher nur ablenken, weil er sich doch in Sicherheit wog. Als ich dann nämlich beiläufig die Bergung des Totengesteckes erwähnte, wurde es plötzlich ruhig, um dann gar nicht wirklich drauf einzugehen. Keine überschwengliche Freude oder Gratulation. Nichts. Alter! Fischen? Fluch? Voodoo? Catch of the decade? Das war schon sehr auffällig. Wenn nicht sogar ein stilles Geständnis. Selbstverständlich hab´ ich ihm dann auch noch unter die Nase gerieben, daß ich kein Erbarmen gezeigt habe und das verfluchte Objekt am nächsten Baum genagelt habe. Ich konnte es förmlich spüren, wie es dem Eisernen die Tränen in die Augenwinkel gepresst hat. JAAAAAAA!Wie es der Teufel so wollte, stand der nächste Buschansitz an und schon beim Ansteuern des "entfluchten" Sattels, erkannte ich des Urukais Drahtesel, wie er samt tonnenschwerem Anhänger in der Sonne klitzerte. Er war da. Persönlich. Hehe. Na da war ich mal gespannt, ob die Ausgeburt schwärzester Allerheiligenfloristik auch noch am Stamm baumelte. Und was soll ich euch sagen. Die Matte, Kescher und Wiegesack war trocken, als ich runterkam und den Eisernen begrüsste: "Dereee Wilhelm! UND? Host is Gesteck gsegn?"-"Jojo, Hager - hängt eh no". Auf die aridmalträtierten Utensilien deutend ->"So wies ausschaut, is ned vü gaunga, Herr Willi ! Wäu wieder ois trocknat wird jo ned sei!". Hehehe. Richtig gebrochen ist er mir vorgekommen, der einst so gewaltige Steirer, wie er zusammengekauert und zitternd wie Espenlaub in seinem Sesselchen saß. Tjo. Da half selbst nicht, wenn die Libellen auf seinem Blank poppten. Der Fluch war gebrochen. Der König ist tot. Lang lebe der König! "Schaue zu und lerne, Urukai!" Ich brauche nicht extra zu erwähnen, daß ich dann zumindest einen fetten Brachsen und einen halbstarken Gelben gefangen habe, während der schwechater Eichelhäher auf seine festgefrorenen Hänger starrte. Gut. Ich hätte auch nicht mit 30mm Sinker/20mmPopper Snowman-Kombi gefischt. Das war schon präpotent. Selektiv nannte er das. Tja. Mut kann man nicht kaufen. Ich persönlich fürchte mich nur vor dem Tag, wo diese Ködertaktik seinen größenbedingten Abnehmer findet und ich danach abermals im Strudel der Verhöhnung ertrinken werde. Der Tag wird kommen. Irgendwann. Ich kenn ihn, den Eisernen. Auch wenn er angeschlagen scheint. Da ist er am Gefährlichsten. Folgedessen gibts da für mich nur ein System: Ich muss abheben, solange ich kann, denn der nächste Fluch, der folgt bestimmt...
tight lines
Sludge