Dienstag, Mai 31, 2011

Die letzte Schlacht in Little Lousiana!

Nachdem der Experiment-Tag ja nicht wirklich von Erfolg gekrönt war, mein Pseudoinstinkt ohnehin vernachlässigbar wäre und ich eigentlich sowieso nicht viel zu verlieren hatte, wurde heute mal wieder ein Sattel bezogen, der mir bis jetzt noch nie wohlgesonnen war. Bis jetzt hatte ich dort noch nie einen Fisch fangen können, wobei der Eiserne hier immer wieder wirklich feine Schweinchen abgehoben hatte. Also an der Unattraktivität des Spots konnte es mal nicht liegen ... etwa an mir? Nein, das Thema hatten wir schon. Durch die alten zusammengeschusterten Hütten die das gegenüberliegende Ufer flankieren, die im Hochsommer dichten Seerosenfelder bei der Engstelle vom Altarm und dem generell vorherrschenden Flair dieser Stelle, bekam dieser Ort von uns den Namen Little Lousiana. Jede Sekunde konnte hier ein Alligator durch die grüne Oberfläche brechen, ein aggressives Opposum aus dem Gebüsch pfauchen oder eine hochgiftige Wassermokassin dir die letzte Ölung geben. Wären wir nicht in Wien, sondern im Süden der USA. Egal. Optisch war das hier für uns einfach Little Lousiana. Einfach damit wir wußten, wovon wir sprechen. Genau hier hatte ich dieses Jahr meine Saison klassisch mit einem fetten Blank eingeläutet. Meine aufmerksamen Leser wissen vielleicht noch um meine Befürchtungen bezüglich des angenagten Baumes auf der anderen Seite Bescheid. Daß ich hier nicht unbedingt knotzen muss, bis die 25m hohe Biberfalle mein Schädeldach spaltet. Das hab ich auch bis heute so beibehalten und als ich jetzt Ende Mai am Sattel ankam, war ansatzlos klar, daß ich mir die Sorgen nicht mehr machen musste. Jawoi! Der Baum war eliminiert und schien entsorgt worden zu sein. Ob von Menschenhand oder Biberzähnen wage ich nicht zu behaupten. Gerade mal so ein dünner, kleiner Stamm war auszumachen, der schräg direkt bei der Uferkante unter Wasser verschwand. Also keine besorgniserregenden Gegebenheiten mehr vor Ort. Feine Sache. Das war schon mal positiv. So regelt sich scheinbar alles von alleine ... Na dann schauen wir mal, ob wir heute endlich einen Saugfisch in Little Lousiana verhaften können. Die eine Falle fische ich gerade aus vors kleine Seerosenfeld, die Andere Richtung Engstelle und überhängenden Bäumen. Mittels Schleuder wurden vorher lediglich an paar einzelne Kugeln und 20er DB Pellets punktgenau gefüttert, um eine Stunde später die ersten wandernden Blasenteppiche unter den Bäumen zu ernten. Jooo. Heute wird der Platz entjungfert. Ich spürs. Doch abermals passiert nichts. Kein Ablauf, kein Pieper, nicht der geringste Kontakt. Scheisse. Warum zur Hölle funktioniert des do bei mir ned? Was ist da anders als an anderen Satteln und Stellen? Ich muss mir was einfallen lassen. Die linke gerade Rute vorm Seerosenfeld lass ich so liegen wie sie ist. Der steirische Urukai hat genau da die ärgsten Schweine gefangen. Und der kocht a nur mit russischem Wasser. Nichts. Des bleibt so. Den rechten Stock kurble ich raus und werde in des Sludge´s Trickkiste greifen. Problemlosest lässt dich die Montage einholen, um von mir jetzt mit dem neuerlichen Wunderköder ausgestattet zu werden. Wunderköder deswegen, weil ich jetzt mal keine Kugel fischen wollte und mir einreden musste, daß das sicher abgefahren und zielführend war. Die Buschfische waren schlau. Zumindest kams mir in dieser Situation wieder mal so vor.Ich fische direkt mit Robin Red gepimpten Dragonblood Pellet. Ein paar Selbige dazu in einen PVA-Strumpf und retour ab vor die Engstelle. Abermals hinsetzen, warten, deppat schauen und auf die Blasen warten. Irgendwie ein "eigenes" Hobby. Für die letzten Erledigten scheinbar. Als ich so dahinvegetiere und aufs Wunder hoffe, brechen 2 Bräute durchs Dickicht hinter mir. Vom Alter schwer zu schätzen, da hässlich wie die Nacht finster, dicht behangene Kampfwesten, mit mehreren SLR Kameras bestückt, wobei sie mich beim ersten Anblick an schwerbewaffnete Selbstmordattentäter errinnerten. Beide trugen Buschhüte und klammerten sich an kleine Kübelchen, Kescherlein und armlange, zentnerschwere Objektive. Resumee: Biologie-Studenten, Ökofreaks oder Freizeitwissenschaftler. Kategorie der mental äusserst gefährlichen Sorte. Alarmstufe rot.Doch entgegen meiner schlimmsten Befürchtungen grüssen mir die beiden Guerilla-Nachteulen freundlich zu und starten einen Meter neben meiner linken Rute wild entschlossen ihre hochwissenschaftlichen Tätigkeiten. Der wohlerzogene Sludge grüsst natürlich nett zurück und gibt sich das seltene Schauspiel ohne mit der Wimper zu zucken. Da wurde geschaut, geflüstert, mit der Nase ins Wasser gerüsselt, undefinierbarer Oberflächen-Schlick gekeschert und in die Kübelchen gefüllt, fotografiert wie am Red Carpet Hollywoods und eifrig Notizen auf kleine Zettelchen gekritzelt. Super, echt. Auch wenn ich eigentlich nur deswegen hier war, endlich die Mühle ablaufen zu sehen, hatte ich im Moment nur einen Wunsch. Bitte lieber Gott, mächtige Macht, oder wie auch immer, bitte, BITTE loss den Drucker ned jetzt kumma! Ich weiß nicht ob die beiden abgefahrenen Vogelscheuchen zu dem Schlag Mensch zählen, die sich mit mir am bestialischen Kampf mit einem Tapirfisch erfreuen würden. Wenn der Stock krumm ist, die Bremse knattert und ich gebe, was ich habe. Die wirkten mir nicht gerade so, als ob sie Brutaldrills mit dickdrähtigen Haken in wilden, tierischen Unterlippen gutieren würden. Just 4 Fun wohlgemerkt. Die würden wohl nicht mit einem fetten "NA PETRI!" einklatschen und mir noch beim Fotografieren behilflich sein, nur um das Monster wieder freizulassen. Nanana, sicher ned. Da würde dann potentielle Grundsatzdiskussionsgefahr herrschen. Bitte ned den Drucka jetzt. Immer, nur ned jetzt. Und nebenbei musste meine Blase auch demnächst entleert werden, was der anmutende Zeitlupenspeed der Beiden nicht gerade in nahe Zukunft rücken ließ. Weit von den Ruten konnte ich ja sowieso nicht weggehen. Also hieß es Ausharren, Beten und Warten. Fast wie beim Fischen. Verdammt, ich war ja beim Fischen. Nur wartete ich jetzt nicht auf Blasen an der Wasseroberfläche oder Schnur, die von der Rolle gerissen wird, sondern hatte andere Lauerprioritäten. Geh bitte woits eich Figuren ned endlich zaumpockn und woaunders die Kaulquappen sekieren ... jede verschissene Sekunden kaun der Biss kumman und bischn muass i a scho fürchterlich ... Selbstverständlich hab ich das nur gedacht und hab freundlich grinsend gute Miene zu bösem Spiel gemacht. Irgendwie will man ja das ansprechende Bild des freundlichen, hilfsbereiten und netten, zeitgemäßen Anglers suggerieren. Vor allem, wenn man mal rein optisch gesehen, von Haus aus komplett tätowiert alleine mitten im Busch knotzt und den Schuppentieren nachstellt. Freundlichkeit ist mein zweiter Vorname, denn wir sind nicht der Feind. Herst, des is Wauhnsinn, wos de do umanaundkrobln - wos mochen die Hirnederln? Der verdaummte Oidorm is mehr ois 1,5km laung, warum zum Teife miassn de do genau bei mir zum Stiarln aufaunga? Als hätten meine Gebete endlich Gehör empfangen, packen die zwei gar gruseligen Weibchen ihre 7 Sachen, verabschiedeten sich wieder nett von mir und verschwanden wieder im Dickicht, so schnell wie sie gekommen waren. "Tschüüüss! Und viel Spaß noch!" Baba und foids ned. Na gottseigedankt sind die verschwunden. Ich warte noch die obligatorischen 3 Sicherheitsminuten, falls sie nicht doch zurückkommen, um mich endlich meiner angesammelten Flüssigkeit zu entleeren, mache die 2 Schritte rechts zum Gebüsch und lass es laufen ... aaahhhh! Die Erlösung. Piep. Pieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep! Der Hänger klebt am Blank, die Mühle läuft, der kleine Fox Bissanzeiger plärrt aus allen Nähten. Höllenbiss. In Reinform des Zufalls. Ich kann nicht warten, muss abzwicken und mit runtergelassener Hose den Stock aufnehmen. Whaaaaaaa. SCHWEEEEEEEIN! Die mittlerweile gewohnte Brachialdrillphase auf kurzer Distanz nimmt ihren Lauf. Es ist die Rute vor der Engstelle. Plötzlich passiert das für mich Unfassbare. Der Fisch steckt unter Wasser an irgendeinem Hindernis fest und ich spüre an der Reibung der Leine, daß es sich wohl um Holz handeln muss. Scheisse. Ich gebe dem Druck nach und warte bange Sekunden mit schlaffer Leine, ob sich der Bursche vielleicht selbst befreit. Nichts passiert. NAAAAAAAA! WOS IS DO! Ich muss irgendwas unternehmen. Abreissen will ich nicht. Mir und vor allem dem Fisch zuliebe nicht. Scheiss drauf. Ich schwimm ihn aus. Da meine Hose ohnehin schon bei den Knöcheln war, musste ich nur raussteigen, meine Schuhe, Socken und Shirt ausziehen und ins Wasser kriechen. Gar nicht so einfach, wenn man die Rute nicht aus den Händen geben will. Warum muass des imma mir passieren? Warum kaun des ned afoch problemlos von Statten gehen? Warum nur? I hob des Pech gepachtet. Langsam wate ich tiefer in den grüne Brühe. Als ich in etwa bei der körperlich kritischen Stelle, meiner Schwimmreifengegend bin, bereits mit eingezogenem Bauch die Luft anhalte, um die 19°C Wassertemperatur herzinfarktfrei zu überstehen, kommt wieder Leben in die Bude. Der 9 Fuß Stock ist plötzlich wieder krumm, die Bremse knattert und ich sehe die direkte Leine im Seerosenfeld verschwinden. Er ist wieder frei. Joooo. Mit triefender Unterhose wieder raus aus dem Wasser und den Drill erneut aufnehmen. Und der Bursche gibt es sich, wie wenn sein letztes Stündlein geschlagen hat. Wahnsinn. Aus den einen Seerosen raus, um ansatzlos in die nächsten dichten Unterwasserwälder zu flüchten. Von rechts nach links, vom eigenen Ufer wieder retour unter die Büsche. Minuten vergehen. Nur so gut es eben geht ganz links beim vermeintlichen Holzhindernis fernhalten und ich sehe kein Problem. Wieder retour in die Seerosen bei der Engstelle. Aus. Der Bursche vergräbt sich erneut dermassen in den dicken Stengeln, daß ich den Druck nicht mehr erhöhen kann, ohne den Abriss zu provozieren. Nass bin ich ohnehin schon, also wieder rein in die Brühe und am Ufer antlang waten. Und so kämpfe ich mich am Ufer voran, da ich pygmäenwuchsbedingt 3m davon entfernt, nicht mehr stehen kann. Mit jedem Schritt rechne ich mit einer tiefen Schnittwunde in meiner Fußsohle, da ich auf irgendeinen abgebrochenen Schilfhalm oder bissiges Dornengeäst steigen werde. Mit Sicherheit. Am halben Weg geschieht erneut das Unfassbare. Ein paar Seerosenbätter bewegen sich und das Saugschwein schiesst urplötzlich wieder aus dem Stengelwald ins offene Freiwasser. ALTERRRR! Ach, du suchst Streit? Willst mich verarschen? Ok. Also wieder retour ans sicher Ufer. Erneut beginnt die epische Schlacht, um schlussendlich direkt in Kescherreichweite zum 3ten Mal ins Stocken zu geraten. Dank zentimeterdickem Pappelfuck, abgerissenen Seerosenblättern, Gras. u. Schilfhalmen und anderem schleimig grünem Ektoplasma zu einer Masse geformt, ist es mir unmöglich zu sehen, was sich unmittelbar vor meinen Füssen abspielt. Zweimal denke ich, daß ich den Saugdeppen schon im Kescher habe, sich die gefühlten 10+ Kilo aber als eben diese angetriebene Schleim-Masse ohne Fisch rausstellt. Wieder kann ich reinkriechen und im undurchsichtigem Schlick vor mir nach dem Gelben suchen. Irgendwie wird plötzlich an meinem Kescher gezogen und der Fisch ist in den Maschen. WHAAAAAAA! I HOB DI, DU SAUUUU! Keine Ahnung wie das jetzt gegangen ist, interessierte mich aber nicht die Bohne. So. Nachdem Kollege Schuppler abgehakt und ich flink wieder in die Kleidung gesprungen war, um nicht restlos von den Insekten gefressen zu werden, konnte die Selbstauslösersession beginnen. Es ist kaum zu glauben, was der Bursche nach diesem Fight noch immer für Kräfte auf der Matte entwickelte. Selbst war ich völlig ausser Atem, aber der Rüsselfisch schien keineswegs ermüdet. Nach einigen freundlichen Zärtlichkeiten seitens meines Little Lousiana Fisches hab ich es dann aber doch geschafft, ein halbwegs ansprechendes Foto meines unangenehmen Gegners zu bekommen. Jojo, schaut gar nicht so bösartig aus, wenn er da so artig auf meinen Händen ruht; aber glaubt es mir ... fürchterlich; im Drill wie draussen.Als Kamerad Buschkämpfer wieder in der grünen Tiefe war und ich langsam, da äußerst befriedigt, meine Leine und Montage vom im Drill gefangenen Grünzeug befreie, gleiten meine Blicke zurück zum Ort des eben Geschehenen. Die Wolken werden von feistem Wind auf die Seite geschoben und strahlendes Sonnenlicht heizt in gleissender Form auf unser Little Lousiana. Und was erspähen da plötzlich meine Augen unterhalb der Wasseroberfläche, förmlich leuchtend? Ich seh es erst jetzt, wo die Sonne im richtigen Winkel draufscheint. Nein. Das darf nicht sein. Doch jede positivgeschwängerte Spekulation ist überflüssig. Hier liegt es in hölzerner, unbarmherziger Form vor dir im Wasser. Der ganze vom Biber gefällte Baum. Und er reicht bis quer über die Hälfte des kleinen Pools. Ich hab die komplette Zeit ahnungslos drüber gefischt und beim Einholen der Montage dazwischen einfach verdammtes Glück gehabt. Alter Schwede, was hab ich für ein Schwein, daß ich den Burschen überhaupt bekommen habe. Ich mag gar nicht wissen, wieviel Kleingeäst da noch von der ehemaligen Baumkrone übrig sind. Es hat sich erledigt. Das wars hier für mich. Mein erster Fisch wird hier auch mein Letzter sein. Ich könnte es, mit diesem Wissen nun, nicht mehr verantworten, dort weiter zu fischen und werde dies selbstverständlich auch meinen Wasserkameraden kundtun. Im Grunde genommen, könnte man hier ab nun, von fast sicherem Verlust sprechen. Schade für uns Angler, aber es wäre unfair den Fischen gegenüber, hier auch nur mehr einmal die Falle auszulegen. Es wäre Keinem geholfen. Uns nicht, da wir sie ohnehin unter normalen Umständen nicht kriegen und den geliebten Saugdeppen schon gar nicht. Da fang ich sie lieber gesund, munter und ungefährlicher an anderen Stellen. Soviel Hirn muss sein...
tight lines
Sludge