Montag, Mai 23, 2011

Aus dem Hut gezaubert!

Nein, ich setz ihn noch nicht auf. Noch nicht jetzt. Nur nicht zuviel die Macht des Zauberhutes vergeuden. Auf keinen Fall leichtfertig und gedankenlos, weil fischgeil, zur letzten Instanz greifen. Sicherheitshalber hab´ ich ihn diesmal aber wieder eingepackt. In Sweetspring konnte man momentan jeden erdenklichen Trumpf in der Hinterhand gebrauchen. Haben mich die letzten Blanks an der Schottergrube wieder mal dazu getrieben, in meiner okkulten Mental-Trickkiste zu kramen und den guten, alten Zauberhut vorzufingern. Unmenschlichte Fang-Kräfte wohnen unbestritten in seinem Gewebe, umgarnen auf molekularer ektoplasmatischer Ebene die Nervenzentren des Trägers und übertragen somit auf telekinetischer Basis die ultimative Lockwirkung auf den Köder am Ende der Leine. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Parapsychologen und Kryptozoologen sind sich einig. Er muss es sein. Der Eine. Der alles vereint. In den Feuern des Schicksalsberges gewebt ... der Hut der Vergeltung. Schon oft hatte er mich überzeugt und keinen Zweifel an seiner Fängigkeit aufkommen lassen. Man durfte ihn, wie schon erwähnt, nur nicht zu oft benutzen, da er sonst merklich spürbar seine Magie verlor und dem Träger langsam aber sicher die Seele aussaugte. OK, das war jetzt bei mir nicht so dramatisch, da ja meine Seelchen ohnehin schon lange dem Teufel verhökert war. Nichts desto Trotz war da noch immer der bittere Beigeschmack des Machtverlustes im Bezug auf die Bissquote. Eisern habe ich ausgeharrt, obwohl ich zugeben muss, daß ich einige Mal in Versuchung war, ihn auf mein edles Haupt zu setzen und abzuheben. Aber ich war stark. Nein, es musste auch ohne Zauberhut gehen. Mit jedem Biss, den ich durch ihn erzwinge, schwindet seine Energie. Nicht katastrophal von der Menge her, wenn man hier von materiellem Dasein sprechen kann, aber sie schwindet. Nur nichts vergeuden. Und da lag er nun zusammengedrückt in meiner Tasche, lauerte auf seinen Einsatz und schien mir förmlich entgegenzuflüstern: "SSSSSSetz mich auf, Meister - setz mich auuuuf!". Jetzt is soweit. Jetzt drahda komplett durch, da Sludge. Jaja, ich kann euch richtig sehen...OK. In Wirklichkeit ist es ja eh anders. In der pragmatischen, bodenständigen und kleinkarierten Welt bin ich vor ca. 20 Jahren in den ArmyShop gegangen, hab´ um einen Pappenstiel diesen verrammelten Buschhut erworben und einfach einen "Speed Metal TrittArschKugellager - Aufnäher" rangeschneidert, um ihn Jahre später zum (OK)Kultobjekt mutieren zu lassen. So. Seid ihr nun zufrieden? Fakt ist, daß ich ohne meinen Zauberhut das Gewitter ausgesessen und wieder mal stundenlang die bewegungslosen Swinger angestarrt habe. Bis langsam, aber sicher die Sonne immer weiter Richtung Horizont kroch. Aus. Mir reichts. Ohne Reue oder schlechtes Gewissen hab ich zielstrebig in die Tasche gegriffen und mir das legendäre Gewebe auf den Schädel gezogen. Jetzt mal in Ruhe ein Feuerchen im Grill machen, ordentlich speisen und die Nacht abwarten. Während ich in aller Ruhe mittels Kübeldeckel der Glut Luft zuwachle, ernte ich die ersten 2 Pieper aus dem Delkim-Empfänger. Uuuh. Linke Rute. Lange Distanz. Sicherheitshalber lege ich mal das Luftwachlerwerkzeug aus den Händen und bewege mich zum Stock. Nichts. Ich warte. 10 Sekunden vergehen. Das wars wieder. Scheisse. Wie ich mich umdrehe, um mich wieder der humanoiden Feuerstelle zu widmen, folgen die nächsten 3 Töne. EYYYY! Wos is do! In Zeitlupentempo kriecht der Swinger nach unten. Fallbiss? Ich fackle nicht lange rum und hebe ab. GONG! Und schon ist der Stecken krumm. Jawoi! Ein etwas emotionsloser Drill folgt, weshalb ich schon mit räuberischen Beifang rechne. Vielleicht ein metriger Wels?! Eigenartig jedenfalls. Karpfenuntypisch. Doch als der Fisch in Sichtweite kommt, ist es doch ein Gelber. Und nein. Nicht irgendeiner. Bereits vor dem Einnetzen ist es klar.
Es ist Scarflank. Schon wieder...Das ist original mein 5ter Saugdepp an der Schotterlacke in diesem Jahr und ich habe einen Wiederfang dabei. Wir reden hier nebenbei von rund 28ha Wasserfläche und nicht von einem Parkteich. Da soll mir einer sagen, daß das noch mit rechten Dingen zugeht? Muss wohl der Hut etwas durcheinander gebracht haben. Da drehen hunderte Rüssler ihre Bahnen und ich fange ein und denselben Fisch an zwei völlig unterschiedlichen Spots zweimal in knappen 6 Wochen ( 10.April ). Noch dazu, wo ich hier im 2011er Jahr bis jetzt nicht gerade mit Fangorgien bedient war. Wie ist sowas möglich? Zufall? Doch Hutzauber? Es gibt nur mehr 4 Fische im ganzen Wasser? Blödsinn. Da ist es wohl kristallklar, daß es nur am Hut liegen kann. Alles andere wäre wohl zu weit hergeholt und hätte keine fundierte Basis einer Erklärung für solch Phänomene. Nebenbei bin ich zufrieden, wenn ich persönlich weiß, warum was passiert...Nachdem Scarflank wieder munter daheim war, ich die Falle wieder in die Unendlichkeit geschnalzen habe und die Vogelwelt zum abendlichen Stelldichein trällerte, kroch unweigerlich die Nacht herein. Die Isa und ich labten uns an totem, gebratenen Tier und genossen die natürlichen animalischen Umgebungsgeräusche, die hin und wieder von leichtem Regenprasseln untermalt wurden. Es war trotz nicht perfekter Bedingungen ein traumhafter Abend am Wasser. Nachdem wir gemeinsam wieder mal gnadenlos den zweiseitigen Riesen in der Rätsel-Krone besiegt hatten, gings in die Höhle. Mein mächtiger Hut wurde liebevoll unterhalb der Liege platziert, die Stirnlampe ans Verstellrad selbiger gehängt und der elektronische Bissverkünder für die Nacht scharf gemacht. Die Schweine konnten kommen. Irgendwann um 4 in der Früh hat mich meine volle Blase aus dem Schlafsack gezwungen, um erstmals zu realisieren, daß bis jetzt keinerlei Aktivitäten an beiden Ruten zu verzeichnen waren. Draussen war alles still; lediglich ein paar Frösche quakten weit entfernt in die Nacht hinein. Verdammt. Bis jetzt durchgeschlafen. Na gut, was solls. Nachdem ich körperlich wieder erleichter war, gings zurück in die Federn. Die Isa gurrte im Tiefschlaf wie Trude, die Teufels-Taube, was es mir nicht gerade einfach machte, wieder ins Land der Träume zu flüchten. Irgendwann hab ich es dann aber doch geschafft, um dann um 7Uhr in der Früh mit einem Mental-Hammerschlag geweckt zu werden. Man kann solch Situation kaum in Worte fassen, weiß nicht mehr genau, wie wann was vor dem anderen war, da es einem vorkommt, es passiert alles gleichzeitig. Irgendwer rüttelt meine Schulter "ALEEEEEEEEEX!"; der Übertritt in die mehr oder weniger Wachphase erfolgt nicht langsam mittels geistiger Rolltreppe, sondern durch ein direktes Portal. Bist du deppat. Immer wieder ein Genuss. Das Durchschreiten der Ruhe-Schwelle geht mit einem immer lauter werdenden hohen Dauerton einher. DAS LICHT! Ich kann das Licht sehen. Das weisse Licht. Bin ich tot? Ist das der vielbesagte Übertritt? Nein. Keine göttlichen Fanfaren oder Sirenen, kein Himmelslicht. Delkim Empfänger VOLLRUN und gleissendes Morgensonnenlicht frontal in die Fresse, während der Reissverschluss vom Zelt von der Isa aufgerissen wird, die sich langsam aus unscharfen Schemen bildet. Ja bist du denn gelähmt. Und schon haben die schlafmüden Zahnräder in des Sludges nussgroßen Gehirnuhrwerks zum Laufen begonnen. Dauerton? Mein laut ausgesprochner sterblicher Name? Schulterrütteln. Ergo Biss. Wie ich in die Schuhe gekommen bin bis hin zum Abheben kann ich eigentlich nicht beschreiben, da hiervon kaum Erinnerungen übrig geblieben sind. Schnell ist mir das alles gegangen. Jedenfalls bin ich plötzlich fastblind mit krummem Stock am Ufer gestanden und hab um Hilfe geschrien. Nein, nicht weil ich Angst vorm Monsterfisch hatte, sondern weil ich gern sehen würde, was da überhaupt vor sich geht. Flink hat mir die Isa dann meinen Zauberhut und meine Sonnenbrillen ausgehändigt, worauf ich endlich den Kampf auch visuell aufnehmen konnte. Und der war in aller Herrgottsfrüh wirklich nicht zu verachten. Spiegelglatte Wasseroberfläche, brutale Fluchten, knarrende Bremsen, ein ächzender Rutenblank. Über meinem Kopf zwitschert das Gefieder. Jawohl, so soll es sein. Nach bösartigen aber gefühlsintensiven 10 Minuten kann ich den Kugelfisch in den Kescher zwingen. YES! Absoluter Medizinball-Anwärter. Was für eine abgefahrene Kreatur hat sich da wieder den Dragonbaits-Prototypen reingezogen. Ein wirklich feines Schwein hab ich da wieder aus dem Hut gezaubert! Da konnte man nicht meckern...Bei traumhaften, hochsommerlichen Bedingungen haben wir dann noch bisslos den Sonntag ausgesessen und ich bin nicht mal auf die Idee gekommen, auch nur ansatzweise an den Gebrauch des Zauberhutes zu denken. Bei 2 schönen Fischen in 36 Stunden durfte man nicht unzufrieden sein. Denn es werden die Tage kommen, wo ich ihn mehr brauchen werde, wie je zuvor. Und jetzt besitzt er noch genug Macht, wie wir abermals gesehen haben. Sogar wenn er nur in meiner Nähe ist. Nur ned übertreiben, nur ned überschnoppn, nur ned zu oft benutzn...
tight lines
Sludge