Mittwoch. Herrlichstes Frühjahrswetter, strahlender Sonnenschein und die Gelben stehen zur Ernte bereit. Was kann da wohl schon die Stimmung trüben? Richtig. Normalerweise kann ich mitten unter der Woche das klimatische Paradies nur aus dem Fenster des Büros wahrnehmen, wo ich unter schwersten, geistigen Belastungen mein täglich, achso kärglich Brot verdiene. Doch nicht heute. Irgendwie hab ich es geschafft, noch flink einen Urlaubstag zu ergattern, um ganz locker unter der Woche an die Buschlacke zu fahren und das nächste Schweinchen abzuheben. Fettest präpotent hatte ich meinen Wasserkameraden den letzten guten Rüsselfisch unter die Nase gerieben und um noch Einen nachzulegen, war jetzt die ideale Zeit gekommen. Wenn man jetzt im Frühjahr gleich ordentlich in Führung geht, ist das schon mental was wert. "Leader of the pack" im imaginären Rennen der Komplett-Erledigten. So schwer konnte das ja wohl jetzt nicht sein, so wie es die letzten Ansitze liefen. Tage vorher hatte ich noch mit dem Eisernen kommuniziert und ihm bereitwillig, die jetzt fängigen Plätze angesagt. Ja, so wie ich nun mal bin. Der Messias der Kameradschaft. Richtig leid hat er mir schon getan, der steirische Urukai, der nachdem er es endlich geschafft hatte, das Verblühen der Krokusse vorbeiziehen zu lassen, auch wieder am Wasser zu knotzen. Einen Fisch hatte er erst. Satzlerkategorie. Der Arme. Andererseits hatte er ja auch noch nicht mehr verdient, wenn man den fast unmenschlichen Einsatz vom Hörstman und mir zum Vergleich hernahm. Immerhin klebten wir schon seit Wochen an den Ufern und trotzten Eis, Wind, Regen und Kälte, um zum begehrten besseren Gelben zu kommen. Doch wie die ersten Schweine eingefahren sind, ist auch der Herr Willi H. nervös geworden. "Ha, dachtest wohl, du brauchst nur warten, bis die ersten Erfolgsmeldungen eintreffen, um dann einfach hinzugehen und die Übersäue abzugreifen!" De nada, amigo! Aber da mir nichts ferner liegt, als die Boshaftigkeit selbst, habe ich ihm nun alle meine Geheimnisse offengelegt. Alex Jesus Hager eben. Das Rennen um die begehrten, fiktiven Panini-Monstergelben war doch auch um Ecken spannender, wenn ich ihn ein wenig herankommen lasse. Und tatsächlich, wobei ich wirklich nicht damit rechnen konnte, befolgte der lernbegierige Wilde meinen Rat und saß dort an, wo ich ihm geraten hatte. Na gut, mehr konnte ich wohl wirklich nicht tun. Leider war er zu unvermögend um Dienstag einen Biss zu ergattern und beschwerte sich garstigst bei seinem Seher. Werd ich ihn wohl doch am Handerl nehmen und ihm das Ganze von Grund auf, erneut erklären müssen. "Schaue zu und lerne!" Wie oft hatte ich als Grünschnabel des Wassers diesen Satz letztes Jahr hören müssen. Unzählbare Male. Und ich hab geblutet. Seelisch vor allem. Doch das war ihm egal und ich musste die ganze Härte seiner Busch-Schule irgendwie überleben. Beinhart wie ich bin, habe ich das. Wir schreiben 2011 - Schaue zu und lerne, steirischer Eichelhäher! MUAHAHAHAHAHA! Wohlwissend, daß er mit Sicherheit, heute Mittwoch, nicht mehr auf meinen guten Rat hören würde und ich auch frei hatte, entschied ich mich natürlich am ihm angesagten Platz zu fischen und dort die fetten Saugdeppen zum FotoShooting zu bitten. Doch wie ich mit meiner Ford-Kutsche die Strasse entlangrolle, sehe ich am Horizont, wo sich in etwa besagter Spot befindet, Etwas blitzen. Nein. Das durfte nicht wahr sein. Doch. Und schon erkannte ich den mechanischen Gaul des Eisernen, der samt Anhänger am Wegesrand, in den Büschen geparkt war. Die emotionale Geisterbahn nahm ihren Lauf. Einerseits war ich stolz, daß der Busch-Sensai auf meine Weissagung gehört hatte, andererseits wußte ich um dessen dunkle Fang-Aura auf mich bezogen, nur allzugut Bescheid. Ich hatte bis heute, noch NIE einen Fisch über 10kg gefangen, wenn ich mit Herrn Willi H. irgendwo angesessen bin. Wenn der neben mir knotzt, bin ich automatisch verflucht. Da brauch ich meinen Golem erst gar nicht auspacken. Machtlos gegen die Alptraum-Dunkelheit des Fürsten der Finsternis. Scheisse. Doch wir hatten 2011 und ich war der, der am Drücker war. Alsbald schälte ich mich gazellengleich durchs Dickicht und wurde vom Eisernen in Empfang genommen. Anstatt einer netten Begrüßung wurde obligat gleich mal mit verbalen Saublödsinn der Tag eingeläutet. Wie immer halt. Prolektueller Unfug ist unser zweiter Vorname. "Und? Scho wos gaunga?" - "Geh bitte, ka Pieper - du und deine Weissagungen!" Pfff. Der kennt si echt ned aus, der Wille. Doch wie ich noch mit dem Auspacken der ersten Rute beschäftigt bin, läuft beim Wilden aus der Steiermark, den ich mit entwicklungshelferischer Aufgabe meinerseits aufgebaut hatte, die Mühle ab. Gong! "NA WOS SOG I, DU EIER!" Der Stock ist krumm und die Ausgeburt Mordors drillt mit einem fetten Grinser in der Fresse das feiste Schuppenschwein heran. Ich darf keschern und fotografieren, noch bevor ich selbst eine Falle am Platz habe. Jaja. So bin ich.
Eigentlich müsste mir, dank meiner Barmherzigkeit der Titel "Wasserkamerad des Jahres" verliehen werden. Aber wer legt schon wert auf Auszeichnungen. Nachdem der makellose Schuppige wieder ins grün schimmernde Element entlassen war, konnte ich auch endlich meine neuen Waffen an die Front schicken, um abzuheben, was möglich war. Der Spot schien ja offensichtlich in diesen Tagen zu funktionieren, welches das Schwein des Eisernen nur eindrucksvoll untermauerte...

Selbstsicher und wissend benötigt es keine 20 Minuten, bis erstmals Töne aus dem akustischen Bissmelder wahrzunehmen sind und der kleine Solar-Hanger erste nervöse Zucker vollführt. Jawoi. Da kommen schon die Überschweine mit ihren monströsen Flossen an die Schnur, während sie meinen PVA Inhalt gierig einschlürfen. Es kann sich nur mehr um Sekunden handeln. Dann wieder 3 Pieper, die Schnur spannt sich. Ich warte kurz und hebe ab. Ins Nichts. Fuck. Neuen PVA-Stick auffädeln. Wieder auf besagten Spot bei den versunkenen Bäumen. 3 Minuten vergehen bis das gleiche Spiel erneut beginnt. Ein kurzes Rütteln an der Rutenspitze zwingt mich mental zur Aufnahme. Nur nicht zu lange warten. Seeehr gefährlich. Abermals ins Nichts. NAAAAAAAA! WOS IS DOOO! Während ich die nächste Futterwurst aufs Vorfach fädle, muss ich mir natürlich vom Urukai dumme Sprüche anhören und Flausen in den Kopf setzen lassen. "Hmm Hager, vielleicht is des Blei zu leicht - dei supa HOIZBLEI! HAHAHAH!" Fuck. So ein Blödsinn. So stolz war ich, als ich zum ersten Mal meine neu erstandenen Ultra-Kanufleisch, ... Kamuflesch, Kanufleee.... verdammt; wie Holz getarnt hoid, in die Safety-Clips eingehängt habe. Bist du deppat. Ultrageil echt. Des siecht a ned da intelligenteste Falkenauge-Saugdepp unter Wasser. Und der Willi machts mir jetzt madig. Nur weil er sicher auch gern welche hätte. Typisch. Nebenbei war des ohnehin a Blödsinn. 3 Unzen san 3 Unzen. Scheissegal ob des von mir aus mit ana Styroporlackierung überzogen is. Ich werfe meinen vermeintlichen Höllenplatz wieder an. Piep. Piep. Piep. Hanger rauf, Hanger runter. Fett grinsend knotzt der Eiserne neben mir und fördert mit stetigem Unfug meine Wankelmütigkeit. Damn! Vielleicht sind 3 Unzen wirklich generell zu leicht. 85gramm. "Herst Wille - wos fischt für a Blei?" - 90 Gramm ernte ich als Antwort. MUAHAHAH. So a Schas herst - wegen 5 Grämmer kaun des kan Unterscheid machen. Der redet einen Müll, der Wüde. Wieder spannt sich die Schnur. Wieder hebe ich ab. Wieder ins Nichts. Herst, des is doch verflucht. "Du bist schuid, Nutte der Verdammnis! Du bist verflucht! Sunst nichts!" Aus. Ich wechsle das 85gr Holzblei gegen einen normal beschichteten 100Grämmer. Wer waß, vielleicht hodda doch irgendwie recht. Doch es gibt genau keinen Unterschied zu vorher. Ein paar Pieper - aus. Langsam aber sicher bin ich mit meinem Latein am Ende. "Wird Zeit, daß du zaumpockst, Wille! Host du kan Nochtdienst heite, herst ?" So bricht der frühe Nachmittag heran, der Urukai verabschiedete sich befriedigt mit einem Schwein auf der Cam, einem gutgemeinten "Schaue zu und lerne!" und trat die Heimreise an. So. I sitz des jetzt aus. Die Aura der Finsternis war gewichen und ich konnte mich wieder auf die Fischerei der Normalsterblichen konzentrieren. Und siehe da - wie wahr. Kaum war die fleischgewordene Geisselung ein paar Minuten weg, hatte ich zum ersten Mal, nachdem ich wieder mal den Stock nach gespannter Schnur abgehoben habe, Widerstand. JOOO. Nicht monströs, aber auch nicht die gefürchtete Leere. Und schon surft der erste gute Brachsen über die Wasseroberfläche und kann schnell vom Haken befreit werden, um wieder seine Bahnen zu ziehen. Da hatten wir endlich die fischigen Banditen, die schon den ganzen Tag an meinem Nervenkostüm rüttelten. Und so ging es weiter. Fast ausschließlich Milchner, welche übrigens schon feinsten Laichauschlag gebildet hatten und von baldiger Niederkunft der Brachsendamen kündeten.

Nachdem ich Bream Nummer 5 entlassen hatte, wechselte ich vom 16/10er Snowman auf 24/20er. Es genügt. Der Spaß ist vorbei. Jetzt erst, wo ein wenig Ruhe herrscht, jede Minute irgendein natürlicher Kleinod wie Ästchen, Kerne und dgl. auf mich runter rieselt, fällt mir die ständige Kreischerei ober mir in den Baumwipfeln auf. Da sitzt das garstige, boshafte Federvieh, gebärdet sich wie wild und scheint mich förmlich auszulachen. Eine Nebelkrähe. In unseren Breiten zu Vereinfachung der Massenverständigung kurz und knapp "a Rob" genannt. Obwohl dies natürlich kein Rabe ist, aber das würde zu sehr ins Ornithologische abschweifen, wo wir sowieso ahnungslos sind. Ähnlich wie beim Fischen :) Da knotzt er nun und späht auf mich runter. Wie im Filmklassiker "Das Omen". Die geflügelte Pest hat mir sicher der verfluchte Lord der Finsternis hiergelassen um mich auch in seiner Abwesenheit malträtieren zu können. Schau ihr nur nicht in die Augen. Keinesfalls in die Augen! Ich komme ohnehin nicht dazu, da wieder die schwarzgraue fliegende Ratte ober mir freudigst krächzst, als ich den nächsten Brachsen vom Riesen-Snowman befreie. Perfekt in der Unterlippe gehakt. Na geeeeeeeeeeh. Des gibts doch ned. Wo waren sie nur die geliebten Rüssler?! Den halben Tag war ich damit beschäftigt, neue PVA-Würste herzustellen und mich innerlichen über den Abgesandten des Eisernen zu ärgern. Seit Stunden schon ging mir das Vieh auf die Nerven. Abermals rieselt Unrat auf mich herab. Wo is dei Problem, Rob? Na guat. Langsam greife ich den nächstbesten, geeignet wirkenden Ast und schleiche mich in geduckter Haltung am Ufer entlang, um eine bessere Schusslinie auf die unheimliche, dunkle Kreatur in den Baumwipfeln zu erreichen. Hoffentlich sieht er mich nicht. Im Angesicht der fast unmenschlichen Anspannung, die Angst vor der Schlacht mit dem Bösen, steige ich plötzlich ins Nichts. AHHHHHHHH! Und schon stehe ich bis zum Oberschenkel im Todesloch des Verderbens. Zum gefühlten 25ten Mal. Bis über die Knöchel im Schlamm. Ohne Gummler wohlgemerkt. Wieder mal übersehen. Wie deppat muass ma eigentlich sei? Es wäre ja nicht so gewesen, daß wir nicht um diese Beinbrecherfalle Bescheid gewusst hätten. Zu oft waren wir schon während des Drills, während dem Auswerfen und während dem Keschern eingefahren. Wir addieren nun Krähen-Jagd.
Die schwarze Missgeburt war natürlich hellauf begeistert und gutierte dies Schauspiel mit schallendem Gekrächze. Ausse aus dem Loch. Den Ast noch immer, wie das Excalibur persönlich, in der fest gschlossenen Faust. Ich bin bereit, die Schlacht der Schlachten zu schlagen. Es reicht. Ein Wurf und der armlange Ast schlägt einen halben Meter neben Kollege Nebelkrähe in den Wipfel. Blätter fliegen, Knospen regnen und von einer Sekunde auf die Andere ist Ruhe. Friedliche, harmonische Stille am Altarm. Lediglich ein paar Frösche quaken. Die geflügelte Pest war weg. Hatte sich in die Federn geschissen und war zurück in den Schoß ihres satanischen Befehlshabers gekrochen. Na eben. Never fuck with a Swampjack! Endlich konnte das entspannte Warten auf den erlösenden Karpfenbiss beginnen...

Alsbald folgt Brachse Nummer Sieben, bis um halb6 endlich zum ersten Mal Schnur von der Ultegra gezogen wird. JAAAAAAAAAAA! Schon beim Connecten ist ansatzlos klar, daß da wieder ein "Un-Schwein" in die Falle getappt ist und ich kann dann tatsächlich einen Satzkarpfen einnetzen. Vermutlich den hässlichsten, zerfledertsten, räudigsten K2 Rüsselfisch, den der Planet jemals ausgekotzt hatte. Die tierische Reinkarnation des Ablegers von Elefantenmensch John Merrick & dem Glöckner von Notre Dame. Unpackbar hässlich. Ich besaß nicht mal den Mumm, diese Ausgeburt der Rotzigkeit abzulichten, da ich berechtigterweise Angst um den funktionellen Weiterbestand der Speicherkarte hatte. Dennoch war es zumindest ein Gelber, der möglicherweise den Vorteil seines Mutantendaseins darin nutzen konnte, groß und fett zu werden, was durchaus positiv zu werten wäre. Fast wie beim Eisernen ;) Wer will schon so einen unappetitlich anmutenden Karpfen abschlagen, um ihn dann zu essen? Sogar die tollkühnsten Tiefkühltruhen-Anfüller würden wohl davor zurückschrecken. Das kann sein Glück sein. Nachdem ich "Quasimodo" wieder die Freiheit geschenkt hatte, wurde zusammengepackt. Aus. Mir genügts. Da kommt heute keine Monstersau mehr vorbei. Die Einzige hatte der Meerschweinchen-Willi abgehoben. Ein Biss - eine Sau. Der Sludge 35 Bisse - 7 Brachsen und ein Mutant. Er ist wieder dran. Hat aufgeschlossen, im fiktiven Rennen um die mentale Vorherrschaft ... aber ich hab ihn ja kommen lassen, in Wirklichkeit ;)tight lines
Sludge




















